Wenn du den Schmerz verdrängst: Warum Trauer dich irgendwann einholt

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Umgang mit verdrängter Trauer und ihrer leisen Wirkung

Manchmal ist der Schmerz nach einem Verlust so groß, dass Du ihn kaum anschauen kannst. Vielleicht funktionierst Du einfach weiter, gehst zur Arbeit, kümmerst Dich um andere, erledigst, was getan werden muss. Nach außen wirkt alles stabil – und doch spürst Du vielleicht, dass da etwas in Dir still geworden ist, wie ein Raum, den Du meidest.

Trauer lässt sich eine Zeit lang wegschieben. Du kannst Dich ablenken, Dich beschäftigen, Dich zusammenreißen. Aber Gefühle verschwinden nicht, nur weil Du sie nicht zulässt. Sie suchen sich andere Wege: über den Körper, über Deine Stimmung, über Deine Gedanken, manchmal auch über Träume oder plötzliche Ausbrüche, die Dich selbst erschrecken.

In diesem Text geht es darum, was passiert, wenn Trauerverarbeitung nach einem Verlust unterbrochen wird. Darum, warum verdrängter Schmerz Dich irgendwann einholen kann – leise oder mit voller Wucht. Und darum, wie Du behutsam verstehen kannst, was in Dir vorgeht, ohne Dich zu überfordern oder unter Druck zu setzen. Nicht, um Dir zu sagen, was Du tun sollst, sondern um Dir Worte und Bilder zu geben für etwas, das oft sprachlos macht.


Kurzer Exkurs

In vielen Themen rund um Abschied, Erinnerung und Verbundenheit taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Wie kann man jemanden sichtbar im eigenen Alltag behalten, wenn er nicht mehr da ist?

Trauerbegleiter sprechen hier oft von einem „äußeren Anker“ – einem konkreten Ort oder Gegenstand, der Erinnerung greifbar macht. Das kann ein Foto sein, ein bestimmter Platz oder auch eine individuell gestaltete Gedenktafel, die Name, Datum und Bild verbindet.

Solche Anker ersetzen nichts. Aber sie geben dem, was war, einen ruhigen Platz – und vielen Menschen genau dadurch Halt.

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Wenn Trauer leise wird: Was Verdrängung eigentlich ist

Verdrängung klingt hart, fast vorwurfsvoll. In Wirklichkeit ist sie oft ein Schutzmechanismus. Dein Inneres versucht, Dich vor einem Schmerz zu bewahren, der gerade zu viel wäre. Du funktionierst, weil Du funktionieren musst – oder glaubst, es zu müssen.

In der Trauerphase Verdrängung zu erleben, ist nichts Ungewöhnliches. Vielleicht merkst Du:

  • Du sprichst kaum über den Verlust oder vermeidest bestimmte Themen.
  • Du hältst Dich ständig beschäftigt, um nicht ins Nachdenken zu kommen.
  • Du spürst eine Art innere Betäubung – weder richtig traurig noch wirklich froh.
  • Du reagierst gereizt, wenn andere das Thema ansprechen.

All das können Anzeichen unverarbeiteter Trauer sein, ohne dass Du etwas „falsch“ machst. Dein System versucht, Dich zu stabilisieren. Doch wenn diese Phase zu lange anhält, bleibt der natürliche Prozess der Trauerverarbeitung nach einem Verlust blockiert. Gefühle, die keinen Raum bekommen, verschwinden nicht – sie lagern sich an, schichtweise, wie Staub in einem Zimmer, das nie gelüftet wird.

Wie Trauer langfristig wirkt, wenn sie keinen Platz bekommt

Trauer ist nicht nur ein Gefühl, sondern ein Prozess, der Zeit, Raum und Ausdruck braucht. Wenn dieser Prozess immer wieder unterbrochen oder ganz abgeschnitten wird, beginnt sich im Inneren etwas zu stauen. Das kann sich auf viele Ebenen auswirken – emotional, psychisch, körperlich.

Emotionale Spannungen: Wenn alles zu viel und gleichzeitig zu leer ist

Verdrängte Trauer kann sich anfühlen wie ein dauerhafter innerer Druck. Vielleicht kennst Du Momente, in denen Du ohne klaren Grund:

  • plötzlich weinen musst oder gar nicht weinen kannst, obwohl Dir danach ist,
  • überreagierst – auf Kleinigkeiten, die Dich unverhältnismäßig aufwühlen,
  • Dich innerlich leer fühlst, als wärst Du von Dir selbst abgeschnitten.

Gefühle bei unterschätzter Trauer sind oft widersprüchlich: Wut, Schuld, Erleichterung, Sehnsucht, Taubheit – alles kann nebeneinander existieren. Wenn Du versuchst, diese Gefühle dauerhaft zu unterdrücken, kostet das enorme Kraft. Es ist, als würdest Du einen schweren Deckel auf einen Topf drücken, in dem es längst kocht.

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Psychische Folgen unbewältigter Trauer

Wenn Trauer über Monate oder Jahre keinen Ausdruck findet, kann sie sich in psychische Belastungen verwandeln. Dazu können gehören:

  • anhaltende Niedergeschlagenheit und Interessenverlust,
  • Angstzustände oder innere Unruhe,
  • übermäßige Reizbarkeit oder Aggressivität,
  • starke innere Leere oder das Gefühl, „neben sich“ zu stehen,
  • aufdrängende Erinnerungen oder Bilder, die Du nicht loswirst.

Manchmal entsteht eine Form von chronischer oder sogenannter komplizierter Trauer: Der Verlust bleibt im Inneren wie eingefroren, als wäre er gerade erst passiert, obwohl schon viel Zeit vergangen ist. Das kann das Risiko erhöhen, in depressive Zustände zu rutschen oder das Leben als sinnlos zu erleben. Auch Suizidgedanken können in solchen Phasen auftauchen – als Ausdruck einer tiefen Erschöpfung und Verzweiflung.

Wenn Du solche Gedanken kennst, bist Du damit nicht allein. Es ist ein ernstes Warnsignal, dass Deine Trauer und Deine innere Not zu schwer geworden sind, um sie allein zu tragen. In solchen Momenten kann es wichtig sein, nicht in der Stille zu bleiben, sondern Dir Unterstützung zu holen – bei vertrauten Menschen oder bei professionellen Hilfsangeboten in Deiner Nähe.

Körperliche Signale: Wenn der Körper für die Seele spricht

Verdrängte Trauer bleibt nicht nur im Kopf. Der Körper reagiert auf anhaltende innere Spannung. Mögliche körperliche Anzeichen unverarbeiteter Trauer können sein:

  • Schlafstörungen – Einschlafprobleme, nächtliches Aufwachen, belastende Träume,
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden – Herzrasen, hoher Blutdruck, Engegefühl in der Brust,
  • häufige Infekte – ein geschwächtes Immunsystem durch Dauerstress,
  • Verspannungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden,
  • chronische Erschöpfung, selbst nach ausreichend Schlaf.

Solche Symptome können viele Ursachen haben. Und doch sind sie manchmal auch ein Körperruf: „Da ist etwas in Dir, das zu schwer geworden ist.“ Hilfe bei emotionaler Trauerlast kann dann auch bedeuten, diese Signale ernst zu nehmen und sie als Hinweis auf inneren Druck zu verstehen – nicht als Schwäche.

Wenn Trauer unerwartet zurückkommt: Auslöser und Rückfälle

Vielleicht kennst Du das: Du glaubst, alles sei „überstanden“. Du hast lange nicht mehr bewusst an den Verlust gedacht. Und dann reicht ein Geruch, ein Lied, ein Ort – und plötzlich ist alles wieder da. Die Trauer bricht auf, als wäre sie nie weg gewesen.

Solche Momente sind kein Zeichen dafür, dass Du „versagt“ hast. Sie zeigen eher, wie tief ein Verlust in Dein Leben eingewoben ist. Wenn Trauer unerwartet zurückkommt, kann das bedeuten:

  • Es gibt noch etwas, das gesehen oder gefühlt werden möchte.
  • Ein neuer Lebensabschnitt macht den alten Schmerz wieder spürbar.
  • Ein aktuelles Erlebnis erinnert unbewusst an den ursprünglichen Verlust.

Gerade wenn Du Deine Gefühle lange weggeschoben hast, können solche Auslöser besonders heftig wirken. Die Trauerbewältigung bei Schmerzverdrängung verläuft dann nicht in sanften Wellen, sondern eher in plötzlichen Stürmen. Das kann verunsichern – und doch ist es auch ein Zeichen dafür, dass in Dir noch etwas lebendig ist, das sich nach Ausdruck sehnt.

Wie Verdrängung den Alltag verändert – oft unbemerkt

Verdrängte Trauer ist selten auf den ersten Blick sichtbar. Sie zeigt sich oft in kleinen Verschiebungen im Alltag, die sich mit der Zeit summieren. Manchmal merkst Du erst im Rückblick, wie sehr Dich der Verlust innerlich aus der Bahn gebracht hat.


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Konzentration, Antrieb, Sinn – wenn der innere Kompass wankt

Trauer braucht Energie. Wenn sie keinen Raum bekommt, verbraucht sie diese Energie im Hintergrund. Das kann dazu führen, dass:

  • Deine Konzentration nachlässt,
  • Du Dich schwer motivieren kannst, selbst für Dinge, die Dir früher Freude gemacht haben,
  • Du Dich innerlich leer oder sinnlos fühlst, als hättest Du die Verbindung zu Deinen Zielen verloren.

Psychische Folgen unbewältigter Trauer können sich so ganz unspektakulär zeigen: in Aufschieberitis, in einem Gefühl von „alles ist zu viel“, in dem Wunsch, einfach nur zu schlafen oder nichts zu fühlen. Es ist nicht Faulheit. Es ist oft Erschöpfung durch eine Last, die Du lange allein getragen hast.

Sozialer Rückzug: Wenn Nähe zu anstrengend wird

Viele Menschen ziehen sich zurück, wenn sie ihre Trauer nicht zeigen wollen oder können. Vielleicht:

  • sagst Du häufiger Treffen ab,
  • fühlst Dich unter Menschen einsam,
  • hast das Gefühl, niemand würde Dich wirklich verstehen,
  • lächelst und sagst „alles gut“, obwohl es das nicht ist.

Umgang mit verdrängter Trauer bedeutet oft auch, dass Du Dich innerlich von anderen entfernst, um nicht verletzbar zu sein. Doch gerade dieser Rückzug kann das Gefühl von Leere und Sinnlosigkeit verstärken. Der Verlust nimmt dann immer mehr Raum ein, auch wenn er kaum ausgesprochen wird.

Fluchtwege: Wenn Betäubung zur Gewohnheit wird

Nicht selten versuchen Menschen, den inneren Druck mit äußeren Mitteln zu regulieren. Das kann ganz unterschiedlich aussehen:

  • übermäßiger Konsum von Alkohol, Medikamenten oder anderen Substanzen,
  • ständiges Arbeiten, um nicht nachzudenken,
  • exzessives Essen oder kaum noch essen,
  • stundenlanges Scrollen, Serien schauen, Spielen – alles, um nicht zu fühlen.

Solche Strategien können kurzfristig Erleichterung bringen. Langfristig bergen sie das Risiko, in Suchterkrankungen oder weitere psychische Belastungen zu rutschen. Auch das sind mögliche Folgen, wenn die Trauerphase Verdrängung zu einer Art Dauerzustand wird.

Warnsignale erkennen: Wenn Trauer Dich um Hilfe bittet

Es gibt keinen festen Zeitpunkt, ab dem Trauer „zu lange“ dauert. Jeder Mensch, jeder Verlust, jede Geschichte ist anders. Und doch gibt es Zeichen, die darauf hindeuten können, dass Deine Trauerverarbeitung nach einem Verlust ins Stocken geraten ist.

Mögliche Warnsignale können sein:

  • Du fühlst Dich über Monate hinweg fast durchgehend niedergeschlagen oder innerlich leer.
  • Du hast das Gefühl, Dein Leben sei seit dem Verlust stehen geblieben.
  • Du vermeidest konsequent alles, was Dich an den Menschen oder die Situation erinnert.
  • Oder das Gegenteil: Du kreist gedanklich fast ununterbrochen um den Verlust, ohne zur Ruhe zu kommen.
  • Du hast anhaltende Schlafprobleme, starke körperliche Beschwerden oder häufige Panik- oder Angstanfälle.
  • Du denkst manchmal, dass es einfacher wäre, nicht mehr da zu sein.

Anzeichen unverarbeiteter Trauer sind keine Diagnose, sondern Hinweise. Sie sagen: „Schau hin, Du bist überlastet.“ Hilfe bei emotionaler Trauerlast zu suchen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstfürsorge. Du musst diesen Weg nicht allein gehen.

Was sich verändert, wenn Du Trauer bewusst zulässt

Trauer zuzulassen bedeutet nicht, Dich in Schmerz zu verlieren. Es bedeutet, Dir zu erlauben, zu fühlen, was ohnehin da ist – in Deinem Tempo, auf Deine Weise. Das bewusste Anerkennen und Ausdrücken Deiner Gefühle kann ein leiser, aber entscheidender Schritt sein, um langfristige Schäden zu vermeiden.

Gefühle benennen: Worte für das Unsagbare finden

Manchmal hilft es, Deine inneren Zustände überhaupt erst zu benennen:

  • „Ich bin traurig.“
  • „Ich bin wütend, dass es so gekommen ist.“
  • „Ich habe Angst vor der Zukunft ohne diesen Menschen.“
  • „Ich fühle mich schuldig, obwohl ich weiß, dass ich nicht alles kontrollieren konnte.“

Solche Sätze sind keine Lösung, aber sie öffnen eine Tür. Sie machen sichtbar, was in Dir lebt. Trauerbewältigung bei Schmerzverdrängung beginnt oft mit kleinen Momenten der Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber.

Ausdruck finden: Tränen, Erinnerungen, Rituale

Trauer braucht Ausdruck – und der kann sehr unterschiedlich aussehen:

  • Weinen, wenn Tränen kommen wollen, ohne sie wegzudrücken.
  • Erinnerungen teilen, Fotos anschauen, Geschichten erzählen.
  • Kleine Rituale: eine Kerze anzünden, einen Brief schreiben, einen Ort aufsuchen.
  • Kreative Wege: schreiben, malen, Musik hören oder machen.

Solche Formen des Ausdrucks können helfen, den inneren Druck zu verringern. Sie machen aus einem stummen, schweren Kloß in der Brust etwas Bewegliches, das kommen und gehen darf.

Resilienz und leise Entwicklung

Nichts kann den Verlust ungeschehen machen. Und doch kann sich im bewussten Durchleben der Trauer etwas in Dir verändern. Manche Menschen erleben mit der Zeit:

  • eine neue Tiefe im Blick auf das Leben,
  • mehr Mitgefühl mit sich selbst und anderen,
  • eine andere Wertschätzung für Beziehungen und kleine Momente,
  • eine innere Stärke, von der sie vorher nichts wussten.

Das ist kein Muss, kein Ziel, das Du erreichen musst. Aber es kann eine Möglichkeit sein: Dass aus dem, was Dich fast zerbricht, auch etwas entsteht, das Dich trägt. Resilienz wächst oft nicht in den hellen, sondern in den dunklen Stunden.

Du musst nicht allein sein: Die Bedeutung von Unterstützung

Trauer ist zutiefst persönlich – und doch kaum zu tragen, wenn Du völlig allein damit bleibst. Sozialer Rückhalt kann ein entscheidender Faktor sein, damit Trauer nicht erstarrt, sondern sich bewegen darf.

Menschen, die bleiben, wenn es still wird

Manchmal reicht ein Mensch, der zuhört, ohne zu bewerten. Jemand, bei dem Du sagen darfst:

  • „Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll.“
  • „Ich bin so müde von diesem Schmerz.“
  • „Ich vermisse ihn/sie so sehr.“

Solche Sätze laut auszusprechen, kann entlasten. Vielleicht gibt es in Deinem Umfeld jemanden, dem Du Dich anvertrauen kannst. Vielleicht ist es eine Freundin, ein Familienmitglied, eine Selbsthilfegruppe oder ein Mensch, den Du erst noch finden wirst.

Professionelle Begleitung: Wenn es zu schwer wird

Manchmal ist die Last so groß, dass vertraute Menschen nicht ausreichen. Dann kann es hilfreich sein, sich an professionelle Unterstützung zu wenden – zum Beispiel an Beratungsstellen, Trauerbegleitung oder therapeutische Angebote in Deiner Region.

Solche Angebote können Dir einen geschützten Raum geben, um Deine Trauer anzuschauen, ohne sie erklären oder rechtfertigen zu müssen. Sie können helfen, die psychischen Folgen unbewältigter Trauer zu verstehen und Wege zu finden, mit ihnen umzugehen.

Wenn Du nach Unterstützung suchst, können lokale Beratungsstellen, Ärztinnen und Ärzte, kirchliche oder unabhängige Trauerangebote oder seriöse Online-Beratungsstellen erste Anlaufpunkte sein. Viele dieser Stellen sind gut vernetzt und können Dir weitere Hilfen nennen.

Fazit

Trauer, die Du verdrängst, verschwindet nicht. Sie wartet – manchmal leise, manchmal laut – darauf, gesehen zu werden. Wenn der natürliche Trauerprozess nach einem Verlust blockiert bleibt, können sich emotionale Spannungen, psychische Belastungen und körperliche Beschwerden anhäufen. Dann meldet sich Deine Seele über Umwege: über Erschöpfung, Schlaflosigkeit, innere Leere, Angst, körperliche Schmerzen oder den Wunsch, einfach nichts mehr fühlen zu müssen.

Doch Trauer ist nicht nur zerstörerisch. Wenn Du ihr behutsam Raum gibst, kann sie – bei aller Härte – auch zu einer Bewegung werden, die Dich langsam wieder ins Leben zurückführt. Nicht so, wie es vorher war, aber auf eine neue, noch unbekannte Weise. Unterstützung durch andere Menschen und gegebenenfalls durch professionelle Begleitung kann dabei ein wichtiger Anker sein.

Du musst Deinen Schmerz nicht rechtfertigen. Du musst ihn auch nicht allein tragen. Vielleicht ist der erste Schritt ganz klein: ein Gedanke, ein Satz, eine Träne, ein Gespräch. Manchmal beginnt Heilung genau dort, wo Du aufhörst, Dich vor Deiner eigenen Trauer zu verstecken.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, dass ich meine Trauer verdränge?

Hinweise auf verdrängte oder nicht verarbeitete Trauer können zum Beispiel sein:

  • Du vermeidest Gespräche, Orte oder Erinnerungen, die mit dem Verlust zu tun haben.
  • Du hältst Dich ständig beschäftigt, um nicht ins Fühlen oder Nachdenken zu kommen.
  • Du spürst eine innere Betäubung – weder richtig traurig noch wirklich froh.
  • Du reagierst gereizt oder genervt, wenn andere das Thema ansprechen.
  • Du hast das Gefühl, „einfach zu funktionieren“, obwohl innerlich etwas still geworden ist.

Solche Anzeichen zeigen eine nicht verarbeitete Trauer an, ohne dass Du etwas falsch machst – sie sind eher ein Signal, dass in Dir noch etwas Raum braucht.

Welche Folgen hat es, wenn Trauer über längere Zeit unterdrückt wird?

Wenn Trauer lange verdrängt wird, kann sie sich auf verschiedenen Ebenen bemerkbar machen:

  • Emotional: innere Leere, plötzliche Gefühlsausbrüche, starke Reizbarkeit, das Gefühl, „neben sich zu stehen“.
  • Psychisch: anhaltende Niedergeschlagenheit, Angstzustände, Grübelschleifen, das Empfinden, im Leben festzustecken.
  • Körperlich: Schlafstörungen, Verspannungen, Kopf- oder Bauchschmerzen, Herzrasen, Erschöpfung.
  • Sozial: Rückzug, das Meiden von Kontakten, das Gefühl, niemand könne einen wirklich verstehen.

Unterdrückte Trauer kostet viel Kraft. Sie verschwindet nicht, sondern wirkt im Hintergrund weiter und kann so zu einer dauerhaften Belastung werden.

Warum holt mich die Trauer früher oder später wieder ein?

Gefühle verschwinden nicht einfach, nur weil sie weggeschoben werden. Wenn Trauer keinen Platz bekommt, „lagert“ sie sich innerlich ab und sucht sich später andere Wege nach außen.

Typische Auslöser können sein:

  • Gerüche, Lieder oder Orte, die an den Verlust erinnern,
  • besondere Tage wie Jahrestage, Geburtstage oder Feiertage,
  • neue Lebensabschnitte, in denen der Verlust noch einmal spürbar wird.

Dann kann die Trauer plötzlich und heftig auftauchen – als ob alles wieder ganz frisch wäre. Das ist kein Rückschritt, sondern ein Zeichen, dass noch etwas in Dir gesehen und gefühlt werden möchte.

Welche körperlichen Symptome können durch verdrängte Trauer entstehen?

Wenn Trauer lange keinen Ausdruck findet, reagiert oft der Körper. Mögliche körperliche Symptome bei verdrängter Trauer sind zum Beispiel:

  • Schlafstörungen, nächtliches Aufwachen, belastende Träume,
  • Herzrasen, Engegefühl in der Brust, hoher Blutdruck,
  • Verspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden,
  • häufige Infekte durch anhaltenden inneren Stress,
  • chronische Müdigkeit und Erschöpfung.

Solche Beschwerden können viele Ursachen haben. Sie können aber auch Hinweise sein, dass im Inneren etwas zu schwer geworden ist und mehr Aufmerksamkeit braucht.

Wie kann ich lernen, meine Trauer bewusst zuzulassen, ohne mich zu überfordern?

Trauer bewusst zuzulassen bedeutet nicht, alles auf einmal fühlen zu müssen. Hilfreich können kleine, schrittweise Schritte sein:

  • Gefühle benennen: Dir selbst Sätze sagen wie „Ich bin traurig“, „Ich bin wütend“, „Ich habe Angst vor der Zukunft“.
  • Ausdruck finden: weinen, wenn Tränen kommen; schreiben, malen, Musik hören; einen Brief an den verstorbenen Menschen verfassen.
  • Rituale nutzen: eine Kerze anzünden, einen Ort aufsuchen, Fotos anschauen oder Erinnerungen teilen.
  • Zeiten dosieren: Dir bewusst „Trauerzeiten“ einräumen und danach wieder etwas Stabilisierendes tun, z. B. spazieren gehen.

Trauer schrittweise zu verarbeiten heißt, ihr Raum zu geben, ohne Dich zu drängen – in Deinem Tempo und mit Pausen, wenn es zu viel wird.

Wie kann professionelle Unterstützung bei der Trauerbewältigung helfen?

Professionelle Begleitung kann entlastend sein, wenn die Trauer Dich stark einschränkt oder Du Dich mit Deinem Schmerz sehr allein fühlst. Sie kann unter anderem unterstützen, indem sie:

  • einen geschützten Raum bietet, in dem alles ausgesprochen werden darf,
  • hilft, Anzeichen unverarbeiteter Trauer besser zu verstehen,
  • gemeinsam mit Dir Wege sucht, mit intensiven Gefühlen und körperlichen Reaktionen umzugehen,
  • dabei unterstützt, wieder mehr Ruhe, Struktur und Akzeptanz im Alltag zu finden.

Anlaufstellen können z. B. Trauerbegleitung, Beratungsstellen, therapeutische Angebote, Selbsthilfegruppen oder kirchliche und unabhängige Trauerdienste sein.

Brauchst du gerade Unterstützung?

Wenn du über Suizid nachdenkst oder dich in einer akuten Krise befindest, kannst du dich anonym und kostenlos an die TelefonSeelsorge wenden. Du erreichst sie rund um die Uhr unter der Nummer 0800 – 111 0 111 oder online unter www.telefonseelsorge.de. Zögere nicht, dir Hilfe zu holen – du bist nicht allein.

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