Was ist Wasserkremierung in Deutschland – und was bedeutet Reerdigung?
Wenn ein Mensch stirbt, bleibt oft mehr zurück als Trauer: Fragen, Unsicherheit, manchmal auch der Wunsch, Abschied so zu gestalten, dass er zur eigenen Haltung passt. Vielleicht spürst Du gerade, wie wichtig Dir ein Weg ist, der nicht nur würdevoll, sondern auch achtsam mit der Umwelt umgeht. Denn selbst im Abschied kann etwas liegen, das weiterträgt: ein Gedanke an Kreisläufe, an Verantwortung, an leise Stimmigkeit.
In Deutschland rücken zwei Formen der nachhaltigen Bestattung stärker ins Blickfeld: die Wasserkremierung (alkalische Hydrolyse) und die Reerdigung. Beide versprechen, Ressourcen zu schonen und den natürlichen Kreislauf zu respektieren – und beide stoßen zugleich auf rechtliche Grenzen, die vieles noch in der Schwebe lassen. Dieser Text lädt Dich ein, die Verfahren in Ruhe kennenzulernen: sachlich, behutsam und ohne Druck, als Orientierung in einer Zeit, in der Entscheidungen oft schwerer wiegen als sonst.
Kurzer Exkurs
In vielen Themen rund um Abschied, Erinnerung und Verbundenheit taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Wie kann man jemanden sichtbar im eigenen Alltag behalten, wenn er nicht mehr da ist?
Trauerbegleiter sprechen hier oft von einem „äußeren Anker“ – einem konkreten Ort oder Gegenstand, der Erinnerung greifbar macht. Das kann ein Foto sein, ein bestimmter Platz oder auch eine individuell gestaltete Gedenktafel, die Name, Datum und Bild verbindet.
Solche Anker ersetzen nichts. Aber sie geben dem, was war, einen ruhigen Platz – und vielen Menschen genau dadurch Halt.
Wasserkremierung: stiller Prozess, große Wirkung
Die Wasserkremierung, auch alkalische Hydrolyse genannt, ist eine Form der Einäscherung ohne Flamme. Der Körper wird in einen geschlossenen Druckbehälter gelegt, in dem eine Lauge unter Hitze und Druck wirkt. Bei etwa 150 bis 180 °C zersetzt sich das Gewebe innerhalb weniger Stunden. Was bleibt, sind Knochenteile und eine sterile Flüssigkeit, die anschließend behandelt und fachgerecht weiterverarbeitet wird.
Vielleicht klingt das zunächst technisch. Und doch geht es im Kern um etwas sehr Menschliches: um die Frage, wie ein Abschied aussehen kann, der die Würde wahrt und zugleich die Belastung für die Umwelt reduziert. Befürworter*innen betonen vor allem die ökologische Seite: Im Vergleich zur Feuerbestattung kann die Wasserkremierung bis zu 90 % Energie sparen, sie erzeugt keine schädlichen Emissionen durch Verbrennung und kann Rückstände wie bestimmte Chemotherapie-Medikamente neutralisieren.
Vorteile der Wasserkremierung für die Umwelt
Wenn Du nach einer umweltfreundlichen Bestattung in Deutschland suchst, begegnet Dir bei der Wasserkremierung oft der Gedanke: weniger Rauch, weniger Energie, weniger Belastung. Zu den häufig genannten Vorteilen zählen:
- Deutlich geringerer Energieverbrauch im Vergleich zur Feuerbestattung (je nach Quelle und Rahmenbedingungen bis zu 90 % weniger).
- Keine Verbrennung – dadurch entstehen keine typischen Emissionen, die bei der klassischen Kremation anfallen können.
- Neutralisierung bestimmter Rückstände, etwa von Medikamenten wie Chemotherapie-Wirkstoffen, die in anderen Verfahren problematisch sein können.
- Schonender Umgang mit Ressourcen, weil der Prozess effizient und kontrolliert abläuft.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass Du Dich mit dem Bild, das Du davon hast, wohlfühlen darfst. Manche Menschen empfinden gerade die Abwesenheit von Feuer als tröstlich, andere brauchen das vertraute Ritual. Beides hat Raum. Es geht nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern um Stimmigkeit.
Ist Wasserkremierung legal in Deutschland?
Derzeit ist die Wasserkremierung in Deutschland für Menschen nicht zugelassen. Es laufen Anträge und Diskussionen, doch rechtlich ist das Verfahren noch nicht im Bestattungsrecht verankert. Das kann sich in Zukunft ändern – aber im Moment bedeutet es: Wenn Du Dich fragst, „Ist Wasserkremierung legal in Deutschland?“, lautet die Antwort für menschliche Bestattungen noch: nein.
Ein kleiner, aber bemerkenswerter Schritt ist bereits sichtbar: Für Haustiere ist die Wasserkremierung seit 2024 in Schwäbisch Hall möglich. Das zeigt, dass die Technik vorhanden ist und genutzt wird – auch wenn der Weg zur Zulassung für Menschen in Deutschland noch offen ist.
Unterschiede zwischen Wasserkremierung und Feuerbestattung
Vielleicht hilft Dir ein ruhiger Vergleich, um ein Gefühl für die Unterschiede zu bekommen. Beide Verfahren führen am Ende zu Knochenteilen, die weiter verarbeitet werden können, doch der Weg dorthin ist ein anderer:
- Feuerbestattung: Verbrennung im Krematorium, hoher Energieeinsatz, Emissionen durch den Verbrennungsprozess.
- Wasserkremierung: Zersetzung in einem Druckbehälter mit heißer Lauge, deutlich geringerer Energiebedarf, keine Verbrennung und damit keine klassischen Verbrennungsemissionen.
Manche Menschen schätzen an der Feuerbestattung die lange kulturelle Vertrautheit. Andere fühlen sich von der Idee angesprochen, dass die Wasserkremierung den Körper ohne Flamme in seine Bestandteile zurückführt. Beides kann ein würdevoller Weg sein – und beides kann Fragen auslösen, die Zeit brauchen.
Reerdigung als nachhaltige Bestattung erklären: zurück in den Kreislauf
Die Reerdigung ist ein anderes Bild von Abschied: weniger „Endpunkt“, mehr „Rückkehr“. Der unbekleidete Leichnam wird in einen Kokon gebettet, umgeben von Stroh, Blumen und weiteren organischen Materialien. Durch die kontrollierte Zersetzung mit Wasser und Sauerstoff entsteht innerhalb von etwa 40 Tagen Humuserde; Knochenteile bleiben ebenfalls zurück. Der Prozess orientiert sich am Kompostierungsprinzip – achtsam geführt, überwacht und mit dem Ziel, den natürlichen Kreislauf zu unterstützen.
Für viele liegt darin etwas Beruhigendes: nicht gegen die Natur, sondern mit ihr. Und auch praktisch ist die Reerdigung oft mit dem Gedanken verbunden, Ressourcen zu schonen – unter anderem, weil kein klassischer Sarg erforderlich ist.
Wie funktioniert eine respektvolle Reerdigung?
Respekt zeigt sich bei der Reerdigung nicht in großen Gesten, sondern in Sorgfalt. In der Idee, dass der Körper nicht „entsorgt“, sondern behutsam begleitet wird. Der Ablauf wird je nach Anbieter und Bundesland unterschiedlich organisiert, doch die Grundzüge sind:
- Einbettung in einen Kokon mit Stroh und Blumen, ohne Kleidung.
- Kontrollierte Bedingungen mit Wasser und Sauerstoff, damit die Zersetzung geordnet und hygienisch ablaufen kann.
- Dauer von etwa 40 Tagen, bis Humuserde entsteht; Knochenteile bleiben als Bestandteil des Ergebnisses erhalten.
- Beisetzung der entstandenen Erde im Rahmen der jeweils geltenden Regeln.
Wenn Du Dir darunter etwas Konkretes vorstellen möchtest: Es ist weniger ein „Vorgang“ als ein Zeitraum. Ein stilles Werden. Ein Abschied, der nicht in Minuten geschieht, sondern in Tagen – und vielleicht gerade dadurch eine andere Art von Nähe zulässt.
Wo kann man Reerdigung in Deutschland machen?
Aktuell ist die Reerdigung in Deutschland nur in Schleswig-Holstein erlaubt. Beisetzungen sind außerdem auch in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg möglich. Das kann verwirrend sein, besonders wenn Du ohnehin schon viel im Kopf hast. Wenn Du Dich also fragst: „Wo kann man Reerdigung in Deutschland machen?“, dann ist die kurze Orientierung:
- Erlaubt (Durchführung): Schleswig-Holstein
- Beisetzung möglich: Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg
Da sich Regelungen verändern können, ist es sinnvoll, bei konkreten Planungen direkt bei einem Bestattungsunternehmen oder der zuständigen Behörde nachzufragen. Nicht als Hürde, sondern als Teil der Realität, in der neue Wege erst langsam ihren Platz finden.
Reerdigung Kosten und Ablauf in Deutschland
Auch wenn Geld in Zeiten des Abschieds oft unerquicklich wirkt: Es gehört zur Entscheidung dazu, und es ist in Ordnung, das nüchtern zu betrachten. Die Kosten für eine Reerdigung liegen derzeit ungefähr zwischen 3.000 und 9.200 Euro, zuzüglich Nebenkosten. Wie hoch es am Ende wird, hängt unter anderem von Anbieter, Leistungen, Überführung, Beisetzungsort und individuellen Wünschen ab.
Wichtig ist: Dieser Text ist keine finanzielle Beratung. Er kann Dir nur einen Rahmen geben, damit Du eine erste Vorstellung bekommst – und vielleicht ein wenig weniger das Gefühl hast, im Nebel zu stehen.
Zwei Wege, ein Gedanke: Zukunft der umweltfreundlichen Bestattung in Deutschland
Wasserkremierung und Reerdigung werden oft als Alternativen zur Feuer- und Erdbestattung beschrieben, weil sie Ressourcen sparen und den ökologischen Fußabdruck verringern können. Beide Methoden tragen die Idee in sich, dass ein Körper nicht nur „verschwindet“, sondern in einen Kreislauf zurückkehrt – auf unterschiedliche Weise.
Und doch stehen beide in Deutschland vor rechtlichen Hürden. Bei der Wasserkremierung ist es die fehlende Zulassung für Menschen, bei der Reerdigung die bislang begrenzte regionale Erlaubnis. Das kann frustrierend sein, besonders wenn Du Dir wünschst, dass nachhaltige Optionen selbstverständlich verfügbar sind. Gleichzeitig zeigt die öffentliche Diskussion, dass sich etwas bewegt: Bestattungskultur ist nicht starr. Sie verändert sich, weil Menschen neue Fragen stellen – und weil sie Abschied und Verantwortung nicht mehr trennen möchten.
Was Dir bei der Entscheidung Halt geben kann
Vielleicht hilft es, nicht sofort nach der perfekten Antwort zu suchen, sondern nach einem leisen inneren „Ja“. Manche orientieren sich an Umweltaspekten, andere an Ritualen, an Religion, an einem Ort, an der Familie. Du darfst mehrere Dinge gleichzeitig wichtig finden. Und Du darfst Dir Zeit nehmen, wenn Zeit da ist.
- Würde: Fühlt sich der Weg für Dich respektvoll an?
- Nähe zur Natur: Spricht Dich der Gedanke an Kreisläufe an?
- Machbarkeit: Was ist in Deinem Bundesland überhaupt möglich?
- Abschiedsform: Welche Rituale tragen Dich – leise oder traditionell?
Fazit
Vielleicht ist es tröstlich zu wissen, dass nachhaltige Bestattung nicht nur ein Trend ist, sondern ein Ausdruck von Fürsorge: für den Menschen, der gegangen ist, und für die Welt, in der wir weiterleben. Die Wasserkremierung (alkalische Hydrolyse) zeigt, wie viel Energie sich im Vergleich zur Feuerbestattung einsparen ließe und wie emissionsarm Abschied gedacht werden kann – auch wenn sie in Deutschland für Menschen derzeit noch nicht zugelassen ist. Die Reerdigung macht den Kreislaufgedanken unmittelbar: In etwa 40 Tagen wird aus dem Körper Humuserde, ein stilles Zurückgeben an die Natur, aktuell vor allem in Schleswig-Holstein möglich.
Beide Wege stehen für eine Zukunft der umweltfreundlichen Bestattung in Deutschland, die noch im Werden ist. Wenn Du Dich damit beschäftigst, tust Du das nicht „zu früh“ und nicht „zu viel“. Du gibst dem Abschied einen Rahmen, der zu Deinen Werten passen darf – behutsam, respektvoll und mit dem Blick darauf, dass auch im Ende etwas weiterwirken kann.
Häufige Fragen
Frage: Was sind nachhaltige Bestattungsmöglichkeiten in Deutschland für meinen Verstorbenen?
Zu den umweltschonenden Bestattungsarten für Trauernde in Deutschland zählen vor allem etablierte Optionen wie eine naturbezogene Urnenbeisetzung (z. B. auf dafür vorgesehenen Flächen) sowie neue ökologische Alternativen zur Feuerbestattung in Deutschland, über die aktuell viel gesprochen wird: Reerdigung und Wasserkremierung. Welche Form tatsächlich möglich ist, hängt stark von der aktuellen Rechtslage und den Regelungen im jeweiligen Bundesland ab.
Frage: Alkalische Hydrolyse Bestattung – wie funktioniert das bei der Wasserkremierung?
Die Wasserkremierung (alkalische Hydrolyse) ist eine umweltfreundliche Alternative zur Einäscherung ohne offene Flamme. Der Körper wird in einem geschlossenen Behälter mit einer Lauge unter Hitze und Druck behandelt, sodass sich das Gewebe innerhalb weniger Stunden zersetzt. Übrig bleiben Knochenteile sowie eine sterile Flüssigkeit, die anschließend fachgerecht behandelt und weiterverarbeitet wird.
Frage: Wasserkremierung legal in Deutschland – wann möglich?
Derzeit ist die Wasserkremierung für Menschen in Deutschland noch nicht zugelassen. Es gibt Diskussionen und Anträge, aber das Verfahren ist aktuell nicht im Bestattungsrecht verankert. Für Haustiere ist Wasserkremierung seit 2024 in Schwäbisch Hall möglich – das zeigt, dass die Technik vorhanden ist, ersetzt jedoch keine Zulassung für menschliche Bestattungen.
Frage: Reerdigung in Deutschland – aktuelle Rechtslage und wo ist sie möglich?
Nach aktueller Rechtslage ist die Reerdigung in Deutschland nur in Schleswig-Holstein als Durchführung erlaubt. Eine Beisetzung der entstandenen Erde ist außerdem auch in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg möglich. Da sich Vorgaben ändern können, ist für konkrete Planungen eine Rückfrage beim Bestattungsunternehmen oder der zuständigen Behörde sinnvoll.
Frage: Reerdigung als nachhaltige Erdbestattung – Vorteile und Ablauf?
Reerdigung wird oft als naturnahe Bestattung mit geringem CO2-Fußabdruck beschrieben, weil sie den Kreislaufgedanken betont und ohne klassischen Sarg auskommen kann. Der unbekleidete Körper wird in einen Kokon gebettet und mit organischen Materialien (z. B. Stroh und Blumen) umgeben. Unter kontrollierten Bedingungen mit Wasser und Sauerstoff entsteht in etwa 40 Tagen Humuserde; Knochenteile bleiben als Bestandteil des Ergebnisses erhalten. Die Beisetzung erfolgt anschließend im Rahmen der geltenden Regeln.
Frage: Gibt es eine nachhaltige Bestattung ohne Friedhofsgrab – Optionen und Grenzen?
Der Wunsch nach einer nachhaltigen Bestattung ohne Friedhofsgrab ist verständlich, wird in Deutschland aber durch Bestattungsgesetze und Friedhofszwänge häufig begrenzt. Reerdigung und Wasserkremierung werden als sanfte Abschiede und Teil der Zukunft der Bestattung naturnah und nachhaltig diskutiert, sind jedoch (je nach Verfahren) rechtlich noch nicht überall verfügbar. Am besten klärt man frühzeitig, welche naturnahen Beisetzungsformen in der gewünschten Region zulässig sind und welche Flächen (z. B. bestimmte Friedhofs- oder Naturareale) dafür vorgesehen sind.
Brauchst du gerade Unterstützung?
Wenn du über Suizid nachdenkst oder dich in einer akuten Krise befindest, kannst du dich anonym und kostenlos an die TelefonSeelsorge wenden. Du erreichst sie rund um die Uhr unter der Nummer 0800 – 111 0 111 oder online unter www.telefonseelsorge.de. Zögere nicht, dir Hilfe zu holen – du bist nicht allein.
