Trauertagebuch schreiben: So findest du Klarheit im Gefühlschaos

output1-9.png

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Podcast-Player (Captivate). Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Trauertagebuch schreiben: Klarheit im Gefühlschaos finden

Wenn ein Mensch stirbt, der wichtig für dich war, kann sich dein Inneres anfühlen wie ein Sturm, der nicht zur Ruhe kommt. Gedanken rasen durcheinander, Erinnerungen tauchen auf und verschwinden wieder, Gefühle wechseln in Sekunden von tiefer Traurigkeit zu Wut, Schuld, Leere oder auch zu Momenten von Dankbarkeit und Liebe. Vielleicht hast du das Gefühl, innerlich zu zerreißen – und gleichzeitig nach außen irgendwie funktionieren zu müssen.

Ein Trauertagebuch zu schreiben kann in dieser Zeit ein stiller, geschützter Ort sein. Ein Platz, an dem du nichts erklären, nichts rechtfertigen, nichts „richtig“ machen musst. Du darfst einfach aufschreiben, was da ist. Roh, unaufgeräumt, widersprüchlich. Genau so, wie es sich in dir zeigt. Schreiben hilft bei Trauer nicht, weil es die Schmerzen wegzaubert, sondern weil es ihnen eine Form gibt – Worte, Sätze, Seiten – und sie damit ein Stück greifbarer macht.

In diesem Artikel findest du Gedanken dazu, wie du ein Trauertagebuch schreiben kannst, welche Formen möglich sind und warum es dir helfen kann, im inneren Chaos ein wenig Klarheit zu finden. Nicht als Rezept und nicht als Pflicht, sondern als Einladung: Du darfst deinen eigenen Weg mit dem Schreiben entdecken – in deinem Tempo, mit deinen Worten.


Kurzer Exkurs

In vielen Themen rund um Abschied, Erinnerung und Verbundenheit taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Wie kann man jemanden sichtbar im eigenen Alltag behalten, wenn er nicht mehr da ist?

Trauerbegleiter sprechen hier oft von einem „äußeren Anker“ – einem konkreten Ort oder Gegenstand, der Erinnerung greifbar macht. Das kann ein Foto sein, ein bestimmter Platz oder auch eine individuell gestaltete Gedenktafel, die Name, Datum und Bild verbindet.

Solche Anker ersetzen nichts. Aber sie geben dem, was war, einen ruhigen Platz – und vielen Menschen genau dadurch Halt.

Personalisierte Gedenktafel für Menschen in Schiefer-Optik

→ meine-gedenktafel.de
10 % Rabatt auf deine persönliche Gedenktafel
Mit diesem Code sparst du 10 % auf deine persönliche Gedenktafel. Einfach kopieren und beim Bezahlvorgang einlösen.
Code
Den Rabattcode gibst du beim Bezahlvorgang im Feld „Rabatt-Code“ ein.

Ein geschützter Raum für überwältigende Gefühle

Trauer kann alles auf einmal sein: Traurigkeit, Wut, Erleichterung, Schuld, Verzweiflung, Sehnsucht, Liebe, Dankbarkeit. Manchmal wechseln diese Gefühle so schnell, dass du kaum hinterherkommst. Ein Tagebuch in der Trauer zu führen bedeutet, dir einen Raum zu schaffen, in dem all das nebeneinander existieren darf – ohne Bewertung, ohne dass jemand kommentiert, ohne dass du dich erklären musst.

Wenn du Gefühle in Trauer notierst, kann das wie ein leises Ausatmen sein. Du trägst nicht mehr alles nur in dir herum, sondern legst es Stück für Stück auf Papier. Vielleicht schreibst du:

  • „Ich bin so wütend, dass du einfach gegangen bist.“
  • „Ich schäme mich für meine Erleichterung, weil der Schmerz für dich vorbei ist.“
  • „Ich vermisse deine Stimme, deinen Geruch, unsere Routinen.“
  • „Ich bin dankbar für unseren letzten gemeinsamen Abend.“

All diese Sätze dürfen nebeneinander stehen. Ein Trauertagebuch für Klarheit ist kein Ort, an dem du dich sortiert, stark oder „vernünftig“ zeigen musst. Es ist ein Ort, an dem du ehrlich sein darfst – auch dann, wenn deine Gefühle sich widersprechen. Gerade diese Ehrlichkeit kann entlasten, weil du nichts unterdrücken musst.

Ordnung im Gedankensturm: Wie Schreiben Klarheit schafft

In der Trauer kreisen Gedanken oft im Kreis: „Hätte ich mehr tun müssen?“, „Warum ausgerechnet jetzt?“, „Wie soll es weitergehen?“ Wenn du in Trauer Gefühle aufschreibst, unterbrichst du dieses Kreisen für einen Moment. Du hältst inne, formulierst, suchst Worte. Das kann helfen, das innere Chaos ein wenig zu ordnen.

Wiederkehrende Muster erkennen

Wenn du regelmäßig schreibst, fällt dir vielleicht auf, dass bestimmte Gedanken immer wieder auftauchen: Schuldgefühle, Selbstvorwürfe, bestimmte Erinnerungen, bestimmte Sätze. Durch das Trauer verarbeiten durch Schreiben kannst du mit der Zeit erkennen:

  • Welche Situationen dich besonders belasten (zum Beispiel Abende, Wochenenden, bestimmte Orte).
  • Welche Gedanken dich immer wieder quälen („Ich hätte …“, „Ich bin schuld, weil …“).
  • Welche Erinnerungen dir eher Trost schenken.

Diese Muster zu sehen, bedeutet nicht, sie sofort lösen zu müssen. Aber sie werden sichtbarer. Und Sichtbarkeit kann ein erster Schritt zu mehr Klarheit sein: Du merkst, was dich besonders erschöpft, und vielleicht auch, was dir gut tut.

Gedenktafel gestalten

Spüren, was du wirklich fühlst

Im Alltag bist du vielleicht damit beschäftigt, zu funktionieren: arbeiten, Termine, Familie, Verpflichtungen. Gefühle werden dann schnell zur Seite geschoben. Wenn du dir Zeit nimmst, um dein Trauertagebuch zu schreiben, schenkst du dir einen Moment, in dem du dich selbst wahrnimmst:

  • Wie geht es mir gerade wirklich – körperlich, emotional, gedanklich?
  • Was belastet mich heute am meisten?
  • Gab es einen Augenblick, der ein bisschen leichter war?

Manchmal zeigt sich beim Schreiben, dass hinter der Wut eigentlich tiefe Verletzung steckt, hinter der Leere Erschöpfung, hinter der Schuld eine große Liebe. Diese feinen Unterschiede wahrzunehmen, kann dir helfen, sanfter mit dir umzugehen.

Nächste kleine Schritte erkennen

Ein Tagebuch gegen Trauerschmerz kann dich auch dabei unterstützen, herauszufinden, was du gerade brauchst. Nicht als große Lebensplanung, sondern in kleinen, machbaren Schritten. Beim Schreiben kannst du dich fragen:

  • Was könnte mir heute ein kleines bisschen gut tun?
  • Mit wem möchte ich vielleicht sprechen – oder brauche ich eher Ruhe?
  • Gibt es etwas, das ich mir abnehmen oder erleichtern kann?

Manchmal taucht beim Schreiben ein Gedanke auf wie: „Ich könnte morgen doch meine Freundin anrufen“ oder „Ich erlaube mir, an seinem Geburtstag eine Kerze anzuzünden und zu weinen“. Diese kleinen Schritte können sich aus dem Schreiben heraus ganz leise zeigen.

Erinnerungen bewahren: Nähe trotz Abschied

Trauer bedeutet nicht nur Schmerz über das, was verloren ist, sondern auch Liebe zu dem, was war. Wenn du ein Tagebuch in der Trauer führst, kannst du Erinnerungen festhalten, die sonst vielleicht mit der Zeit verblassen würden – kleine Gesten, Sätze, Rituale, Eigenheiten.

Persönliche Geschichten und Details aufschreiben

Du kannst in deinem Trauertagebuch zum Beispiel festhalten:

  • gemeinsame Erlebnisse, die dir wichtig sind, auch wenn sie unspektakulär wirken,
  • typische Sätze oder Sprüche der verstorbenen Person,
  • Gerüche, Geräusche, Orte, die du mit ihr verbindest,
  • Rituale, die ihr hattet – der Kaffee am Morgen, das Telefonat am Sonntag, der Spaziergang nach Feierabend.

Diese Erinnerungen aufzuschreiben, kann schmerzhaft und tröstlich zugleich sein. Schmerzhaft, weil dir bewusst wird, was fehlt. Tröstlich, weil du spürst: Diese Geschichten gehören zu dir. Sie sind nicht verloren, nur weil der Mensch nicht mehr da ist. Dein Trauertagebuch kann so zu einem Ort der Verbundenheit werden.


Personalisierte Gedenktafel für Menschen in Schiefer-Optik

→ meine-gedenktafel.de
10 % Rabatt auf deine persönliche Gedenktafel
Mit diesem Code sparst du 10 % auf deine persönliche Gedenktafel. Einfach kopieren und beim Bezahlvorgang einlösen.
Code
Den Rabattcode gibst du beim Bezahlvorgang im Feld „Rabatt-Code“ ein.

Rituale und Kontinuität

Manche Menschen nutzen ihr Trauertagebuch auch, um neue Rituale zu entwickeln, die ihnen Halt geben. Du könntest zum Beispiel:

  • an bestimmten Tagen (Geburtstag, Todestag, Feiertage) einen Brief an die verstorbene Person schreiben,
  • jedes Mal, wenn du eine besondere Erinnerung hast, eine eigene Seite dafür anlegen,
  • Fotos einkleben und dazu schreiben, was dieser Moment für dich bedeutet hat.

So entsteht nach und nach ein ganz persönliches Erinnerungsbuch. Es kann dir das Gefühl geben, dass die Verbindung nicht einfach abreißt, sondern sich verändert – von der äußeren Nähe zu einer inneren.

Schreiben als Spiegel: Selbstreflexion in der Trauer

Wenn du regelmäßig Gefühle in Trauer notierst, wird dein Tagebuch zu einem Spiegel deiner inneren Welt. Du kannst darin sehen, wie du dich veränderst, welche Fragen dich begleiten und wie du mit schwierigen Themen wie Schuld, Ohnmacht oder offenen Konflikten umgehst.

Offene Fragen und Schuldgefühle erkunden

In vielen Trauerprozessen tauchen Fragen auf, die keine klaren Antworten haben: „Warum habe ich damals so gehandelt?“, „Warum habe ich das nicht gesagt?“, „Warum musste es so kommen?“ Ein Trauertagebuch zu schreiben kann dir helfen, diese Fragen aus dem Kopf auf das Papier zu holen.

Du könntest zum Beispiel:

  • einen Brief an die verstorbene Person schreiben und alles aussprechen, was ungesagt blieb,
  • deine Schuldgefühle in Worte fassen: „Ich fühle mich schuldig, weil …“,
  • danach ergänzen: „Wenn ich ehrlich bin, weiß ich, dass …“ – und schauen, was dann kommt.

Das Schreiben ersetzt kein Gespräch mit der verstorbenen Person, aber es kann dir ermöglichen, innerlich weiterzusprechen, zu klären, zu benennen. Manchmal entsteht dadurch ein wenig mehr Frieden mit dem, was nicht mehr zu ändern ist.

Veränderungen im eigenen Befinden wahrnehmen

Wenn du über Wochen oder Monate dein Tagebuch in der Trauer führst, kannst du im Rückblick sehen, wie du dich entwickelst. Vielleicht entdeckst du:

  • Phasen, in denen alles besonders schwer war,
  • Momente, in denen ein kleines bisschen Leichtigkeit zurückkam,
  • Themen, die mit der Zeit weniger schmerzhaft wurden.

Diese Veränderungen sind oft im Alltag kaum spürbar. Im Rückblick auf deine Einträge kann deutlich werden: Da bewegt sich etwas, auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt. Dein Trauertagebuch wird so zu einer stillen Dokumentation deines Weges – mit Fortschritten, Rückschritten, Pausen, Umwegen.

Formen des Trauertagebuchs: Du bestimmst, wie es aussieht

Es gibt kein „richtiges“ oder „falsches“ Trauertagebuch. Wichtig ist, dass die Form für dich stimmig ist. Trauer verarbeiten durch Schreiben kann ganz unterschiedlich aussehen – je nachdem, was dir liegt und was du gerade brauchst.

Briefe an die verstorbene Person

Viele Menschen empfinden es als hilfreich, im Tagebuch Briefe an die verstorbene Person zu schreiben. Du kannst:

  • erzählen, wie dein Tag war,
  • sagen, was du vermisst,
  • Fragen stellen, auch wenn du keine Antwort mehr bekommst,
  • Wut, Enttäuschung, Liebe, Dankbarkeit ausdrücken.

Diese Briefe müssen nicht schön formuliert sein. Sie dürfen bruchstückhaft, durcheinander, voller Tränen sein. Sie sind ein Weg, die innere Verbindung zu halten und gleichzeitig deinen Gefühlen Raum zu geben.

Listen, Skalen und kurze Notizen

Vielleicht fällt es dir schwer, lange Texte zu schreiben. Dann können Listen oder kurze Notizen ein guter Weg sein, um trotzdem Gefühle in Trauer zu notieren. Zum Beispiel:

  • „Heute bin ich traurig, weil …“ – drei Stichpunkte,
  • „Drei Dinge, die mir heute ein bisschen gut getan haben …“,
  • „Wovor ich gerade Angst habe …“

Du kannst auch mit Skalen arbeiten, etwa von 0 bis 10:

  • „Traurigkeit heute: 8/10“
  • „Erschöpfung heute: 6/10“
  • „Momente von Ruhe: 2/10“

Solche Formen können dir helfen, dein Befinden wahrzunehmen, ohne lange schreiben zu müssen. Sie machen es leichter, regelmäßig dranzubleiben.

Freie Texte und innere Monologe

Vielleicht merkst du beim Schreiben, dass sich deine Gedanken verselbstständigen, dass du in einen Fluss kommst. Dann kannst du das nutzen und einfach alles aufschreiben, was dir durch den Kopf geht – ohne Struktur, ohne Plan, ohne Anspruch. Dieses „freie Schreiben“ ist eine Form von Schreibübungen zur Trauerbewältigung, die dir erlauben, dein Inneres ungefiltert auf Papier zu bringen.

Du kannst dir dafür einen Timer stellen, zum Beispiel 10 oder 15 Minuten, und in dieser Zeit einfach schreiben, ohne abzusetzen. Rechtschreibung, Stil, Wiederholungen sind unwichtig. Es geht nur darum, dass das, was in dir ist, einen Weg nach außen findet.

Praktische Trauertagebuch Tipps für den Alltag

Ein Trauertagebuch gegen Trauerschmerz muss kein großes Projekt sein. Kleine, regelmäßige Schritte können schon viel bewirken. Vielleicht helfen dir diese Gedanken, um deinen eigenen Weg mit dem Schreiben zu finden.

Regelmäßigkeit – aber ohne Druck

Manche Menschen schreiben täglich, andere nur an bestimmten Tagen oder „nach Bedarf“. Du könntest dir zum Beispiel vornehmen:

  • jeden Abend ein paar Zeilen zu schreiben,
  • immer dann zu schreiben, wenn die Gefühle besonders stark werden,
  • einmal pro Woche einen etwas längeren Eintrag zu machen.

Wichtig ist, dass es sich für dich machbar anfühlt. Wenn du einen Tag oder eine Woche nicht schreibst, ist nichts „falsch“ gelaufen. Du darfst immer wieder neu anfangen.

Ehrlichkeit im Ausdruck

Dein Trauertagebuch ist nur für dich. Du musst niemandem gefallen, nichts beschönigen, nichts begründen. Je ehrlicher du bist, desto eher kann das Schreiben entlasten. Du darfst auch Dinge aufschreiben, die du niemandem laut sagen würdest: harte Gedanken, widersprüchliche Gefühle, Scham, Wut, Erleichterung.

Wenn du Angst hast, dass jemand mitliest, kannst du dein Tagebuch an einem sicheren Ort aufbewahren oder digital mit Passwortschutz schreiben. Manchen hilft es auch, besonders belastende Seiten später zu zerreißen oder zu verbrennen – als kleines Ritual des Loslassens.

Geduld mit Rückschlägen

Auch wenn Schreiben bei Trauer hilft, bedeutet das nicht, dass du dich nach jedem Eintrag besser fühlen musst. Manchmal bringt das Schreiben Gefühle erst richtig an die Oberfläche, und das kann anstrengend sein. Es kann Tage geben, an denen du denkst: „Es wird nie leichter.“ Und andere, an denen du spürst: „Heute war ein Moment dabei, der sich ein bisschen heller angefühlt hat.“

Dein Trauertagebuch darf all das enthalten: Fortschritte, Rückschritte, Stillstand. Du musst nichts beschleunigen. Trauer hat ihr eigenes Tempo.

Alle Emotionen zulassen

In deinem Tagebuch dürfen alle Gefühle Platz haben, auch die, die du vielleicht als „unangebracht“ empfindest. Wut auf die verstorbene Person, Neid auf Menschen, die ihre Angehörigen noch haben, Erleichterung nach einer langen Leidenszeit, das Bedürfnis nach Abstand von der Trauer – all das darf sein.

Wenn du in Trauer Gefühle aufschreibst, nimmst du ihnen ein Stück ihrer Macht im Verborgenen. Sie dürfen sichtbar werden, ohne dass du sie sofort erklären oder rechtfertigen musst.

Therapeutische und psychohygienische Effekte des Schreibens

Viele Menschen erleben, dass Trauer verarbeiten durch Schreiben ihnen hilft, inneren Druck abzubauen. Das Aufschreiben kann wie ein Ventil wirken: Gedanken und Gefühle, die sich sonst anstauen, bekommen einen Kanal. Das kann Stress verringern und die emotionale Verarbeitung unterstützen.

Expressives Schreiben als Entlastung

Beim sogenannten „expressiven Schreiben“ geht es darum, möglichst ungefiltert über belastende Ereignisse und Gefühle zu schreiben. Auch in der Trauer kann das hilfreich sein. Du könntest dir zum Beispiel an drei oder vier Tagen hintereinander jeweils 15–20 Minuten Zeit nehmen und alles aufschreiben, was dich seit dem Verlust beschäftigt.

Manche Menschen berichten, dass sie sich danach innerlich etwas sortierter fühlen, andere spüren vor allem Erschöpfung – beides kann ein Zeichen dafür sein, dass sich etwas bewegt. Du darfst nach solchen Schreibphasen gut für dich sorgen: trinken, atmen, vielleicht eine kleine Runde nach draußen gehen.

Schreiben als Ergänzung zu anderen Trauerwegen

Ein Trauertagebuch schreiben kann auch eine Ergänzung zu anderen Formen der Unterstützung sein – etwa Gespräche mit Freundinnen und Freunden, Trauergruppen, Seelsorge oder psychotherapeutische Angebote. Manchmal hilft es, vor einem Gespräch zu notieren, was du ansprechen möchtest. Oder nach einem Termin aufzuschreiben, was dir wichtig war, was dir nachgeht, was dich berührt oder irritiert hat.

So wird dein Tagebuch zu einem Ort, an dem du all diese Erfahrungen sammelst und nachspüren kannst, was dir gut tut und was nicht.

Grenzen des Trauertagebuchs: Wann Hilfe wichtig ist

So hilfreich ein Trauertagebuch für Klarheit sein kann – es hat auch Grenzen. Wenn deine Belastung sehr groß ist oder lange anhält, kann es wichtig sein, dir zusätzliche Unterstützung zu holen.

Achte gut auf dich, besonders wenn du beim Schreiben merkst, dass:

  • du über längere Zeit kaum noch schlafen oder essen kannst,
  • du dich dauerhaft wie betäubt oder hoffnungslos fühlst,
  • du kaum noch deinen Alltag bewältigen kannst,
  • Gedanken auftauchen, dass du nicht mehr leben möchtest oder dir etwas antun könntest.

In solchen Situationen kann ein Tagebuch allein nicht tragen. Es kann dann hilfreich sein, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel durch psychotherapeutische Angebote, ärztliche Hilfe oder spezialisierte Beratungsstellen für Trauernde. Dein Trauertagebuch kann dabei ein Begleiter bleiben – als Ort, an dem du festhältst, wie es dir geht, welche Fragen du hast und was dir in der Unterstützung hilft oder fehlt.

Fazit

Ein Trauertagebuch ist kein Wundermittel gegen den Schmerz, aber es kann ein leiser, verlässlicher Begleiter sein. Wenn du Gefühle in Trauer notierst, gibst du ihnen einen Platz außerhalb von dir. Du schaffst dir einen geschützten Raum, in dem alles sein darf: Trauer, Wut, Schuld, Verzweiflung, Liebe, Dankbarkeit, Leere, Hoffnung.

Durch das regelmäßige Schreiben kannst du dein inneres Chaos ein wenig ordnen, wiederkehrende Muster erkennen, Erinnerungen bewahren und Veränderungen in deinem Befinden wahrnehmen. Du darfst ausprobieren, welche Form für dich passt – Briefe, Listen, Skalen, freie Texte. Es gibt keinen richtigen Weg, nur deinen.

Vielleicht wird dein Trauertagebuch mit der Zeit zu einem stillen Zeugnis deines Weges durch die Trauer: mit dunklen Tagen, mit kleinen Lichtblicken, mit Momenten der Nähe zu dem Menschen, den du verloren hast. Du musst diesen Weg nicht perfekt gehen. Aber du darfst ihn aufschreiben – Seite für Seite, in deinem Tempo, mit deinen Worten.

Häufige Fragen

Wie beginne ich ein Trauertagebuch nach plötzlichem Tod, wenn ich völlig überfordert bin?

Du musst keinen perfekten Anfang finden. Oft hilft es, ganz schlicht zu starten, zum Beispiel mit einem Satz wie:

  • „Heute schreibe ich, weil alles zu viel ist.“
  • „Ich weiß nicht, wie ich ohne dich weitermachen soll.“

Du kannst auch mit kurzen Stichpunkten anfangen: Wie geht es dir körperlich, emotional, gedanklich? Drei Sätze reichen für den Anfang. Wenn dir gar keine Worte einfallen, notiere nur einzelne Wörter („leer“, „müde“, „wütend“). Mit der Zeit kann daraus mehr werden – aber es muss nicht.

Welche Ideen für Einträge im Trauertagebuch helfen nach dem Verlust des Partners?

Viele Menschen erleben es als tröstlich, im Trauertagebuch die gemeinsame Zeit sichtbar zu machen. Mögliche Einträge können sein:

  • eine Liste eurer alltäglichen Rituale (Morgenkaffee, gemeinsame Serien, Insider-Witze),
  • „Heute vermisse ich besonders …“ – und drei Dinge dazu,
  • ein Brief an den verstorbenen Partner über deinen Tag, deine Sorgen und deine Sehnsucht,
  • eine Seite nur für liebevolle Erinnerungen, die dir Kraft geben.

Du darfst schmerzliche und schöne Momente nebeneinander aufschreiben – das Tagebuch ist ein Ort, an dem beides Platz hat.

Wie finde ich Worte im Trauertagebuch bei überwältigenden Gefühlen, wenn mich die Trauer sprachlos macht?

Wenn dir die Worte fehlen, können kleine, sanfte Schreibübungen helfen:

  • Beginne jeden Satz mit „Ich fühle …“ und schreibe, was auftaucht – auch wenn es widersprüchlich ist.
  • Nutze Skalen: „Traurigkeit heute: _/10“, „Erschöpfung heute: _/10“ und ergänze ein, zwei Sätze dazu.
  • Schreibe drei Dinge auf, die heute besonders schwer waren – und, wenn möglich, einen Moment, der ein wenig leichter war.

Du musst nichts erklären oder begründen. Auch Bruchstücke, halbe Sätze oder nur einzelne Wörter sind erlaubt. Wichtig ist, dass du dir einen geschützten Raum gibst, in dem alles da sein darf.

Welche Fragen kann ich mir stellen, um Erinnerungen im Trauertagebuch aufzuschreiben?

Fragen können dir helfen, liebevolle Erinnerungen und letzte Momente festzuhalten. Du könntest zum Beispiel schreiben zu:

  • „Welche kleinen Gesten haben diesen Menschen ausgemacht?“
  • „Welche Sätze oder Sprüche höre ich innerlich noch?“
  • „Welche Gerüche, Geräusche oder Orte verbinde ich mit ihm/ihr?“
  • „Welche letzten Worte oder gemeinsamen Augenblicke vor dem Abschied waren mir wichtig?“

Du kannst für jede Frage eine eigene Seite anlegen und nach und nach ergänzen. So entsteht ein persönliches Erinnerungsbuch, das Nähe bewahrt, auch wenn der Mensch nicht mehr da ist.

Wie kann ich im Trauertagebuch mit Schuld- und Vorwurfsgefühlen umgehen?

Ein Trauertagebuch kann ein sicherer Ort sein, um Schuld- und Vorwurfsgefühle behutsam anzuschauen. Mögliche Schritte:

  • Schreibe ehrlich: „Ich fühle mich schuldig, weil …“ – ohne dich zu zensieren.
  • Füge danach einen zweiten Satz an: „Wenn ich ehrlich bin, weiß ich, dass …“ und schau, welche Gedanken dann auftauchen.
  • Verfasse einen Brief an die verstorbene Person, in dem du alles aussprichst, was ungesagt blieb – auch Wut, Enttäuschung oder Scham.

Du musst nichts sofort „auflösen“. Das Aufschreiben kann schon entlasten, weil die Gedanken nicht nur in deinem Kopf kreisen, sondern eine Form auf Papier bekommen.

Wie nutze ich frühere Einträge im Trauertagebuch, um Klarheit im Gefühlschaos zu gewinnen?

Nach einigen Wochen oder Monaten kann es hilfreich sein, ältere Einträge behutsam zu lesen. Achte dabei auf:

  • wiederkehrende Themen (z. B. bestimmte Schuldgedanken oder Ängste),
  • Momente, in denen es ein kleines bisschen leichter war,
  • Rituale oder Aktivitäten, die dir gutgetan haben.

Du kannst eine neue Seite anlegen mit Überschriften wie „Was mich besonders belastet“, „Was mir ein wenig hilft“, „Was sich verändert hat“. So wird sichtbar, wo du stehst, welche kleinen Schritte du schon gegangen bist und welche nächsten, sanften Schritte dir guttun könnten.

Brauchst du gerade Unterstützung?

Wenn du über Suizid nachdenkst oder dich in einer akuten Krise befindest, kannst du dich anonym und kostenlos an die TelefonSeelsorge wenden. Du erreichst sie rund um die Uhr unter der Nummer 0800 – 111 0 111 oder online unter www.telefonseelsorge.de. Zögere nicht, dir Hilfe zu holen – du bist nicht allein.

Ähnliche Beiträge

Kommentar hinterlassen

Werbung

Über den Autoren

Matthias

Inhaber

meine-gedenktafel.de

Impulse, Gedanken und Inspiration für einen achtsamen Umgang mit der Trauer

unterschrift

Follow Me

SUBSCRIBE TO RACHEL MOOR BLOG

Instagram

Podcast

Unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende 💛

Mit deiner Spende hilfst du uns, den Blog und Podcast über Trauer, Trost und Erinnerung weiterzuführen – damit trauernde Menschen auch künftig liebevolle Inhalte finden können.

Kommentar hinterlassen

Anzeige