Vorsorgevollmacht erstellen: Vertrauen in schweren Stunden
Es ist ein stiller, oft unangenehmer Gedanke: Was passiert, wenn Du eines Tages nicht mehr selbst entscheiden kannst? Vielleicht durch eine schwere Krankheit, einen Unfall oder einfach, weil Dein Körper und Dein Geist müde werden. In solchen Momenten wünschen sich viele Menschen, dass jemand an ihrer Seite ist, der sie kennt, der sie versteht – und der in ihrem Sinne handeln darf. Eine Vorsorgevollmacht zu erstellen, kann ein Weg sein, dieses Vertrauen in schweren Stunden vorzubereiten.
Wenn Du Dich mit dem Thema auseinandersetzt, geht es nicht nur um Formulare und Paragrafen. Es geht um Dein Leben, Deine Werte, Deine Grenzen. Darum, wer Dich vertreten darf, wenn Du es selbst nicht mehr kannst. Eine gut überlegte Vorsorgevollmacht kann helfen, Fremdbestimmung zu vermeiden und Deinen Willen zu schützen. Sie ist kein kaltes Rechtsdokument, sondern kann zu einer Art schriftlichem Versprechen werden: zwischen Dir und einem Menschen, dem Du zutiefst vertraust.
Kurzer Exkurs
In vielen Themen rund um Abschied, Erinnerung und Verbundenheit taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Wie kann man jemanden sichtbar im eigenen Alltag behalten, wenn er nicht mehr da ist?
Trauerbegleiter sprechen hier oft von einem „äußeren Anker“ – einem konkreten Ort oder Gegenstand, der Erinnerung greifbar macht. Das kann ein Foto sein, ein bestimmter Platz oder auch eine individuell gestaltete Gedenktafel, die Name, Datum und Bild verbindet.
Solche Anker ersetzen nichts. Aber sie geben dem, was war, einen ruhigen Platz – und vielen Menschen genau dadurch Halt.
Vielleicht spürst Du beim Lesen eine Mischung aus Unbehagen und Erleichterung. Unbehagen, weil das Thema schwer ist. Erleichterung, weil es Möglichkeiten gibt, etwas zu regeln, bevor es ernst wird. Du musst nichts überstürzen. Aber Du darfst Dir erlauben, in Ruhe hinzuschauen und zu überlegen, wie Du Deine persönliche Vorsorge gestalten möchtest.
Was eine Vorsorgevollmacht im Kern bedeutet
Eine Vorsorgevollmacht ist im Grunde eine leise, aber klare Aussage: „Ich bestimme jetzt, wer später für mich entscheiden darf.“ Du legst in gesunden Zeiten fest, welche Person Dich rechtlich vertreten soll, wenn Du selbst entscheidungs- oder einwilligungsunfähig wirst. Diese Person – die Bevollmächtigte oder der Bevollmächtigte – darf dann in Deinem Namen handeln, so als würdest Du es selbst tun.
Wichtig ist: Die Vollmacht tritt nicht sofort in Kraft. Solange Du Deine Angelegenheiten selbst regeln kannst, bleibst Du die entscheidende Stimme. Erst wenn Du dazu nicht mehr in der Lage bist, wird die Vorsorgevollmacht wirksam. Sie ist also eine Art Schutzschirm, den Du frühzeitig aufspannst, in der Hoffnung, ihn vielleicht nie zu brauchen – und doch dankbar zu sein, wenn er da ist.
Eine Vorsorgevollmacht kann viele Lebensbereiche umfassen:
- Dein Vermögen und Deine finanziellen Angelegenheiten (Vermögenssorge)
- Entscheidungen rund um Deine Gesundheit und medizinische Behandlungen (Gesundheitsfürsorge)
- Deinen Aufenthaltsort, zum Beispiel Zuhause, im Pflegeheim oder Krankenhaus (Aufenthaltsbestimmung)
- Die Vertretung gegenüber Behörden, Versicherungen und Gerichten
Diese Bereiche können unterschiedlich gewichtet sein. Vielleicht möchtest Du, dass jemand besonders Deine medizinischen Wünsche kennt. Oder Dir ist wichtig, dass Deine Wohnung, Dein Konto, Deine Verträge in verlässlichen Händen sind. Die Vorsorgevollmacht kann Dir helfen, all das bewusst zu ordnen – Schritt für Schritt, in Deiner eigenen Sprache.
Rechtlicher Rahmen: Ein stiller Hintergrund, der Dich schützt
Auch wenn Du vielleicht kein Interesse an Paragrafen hast, kann es beruhigend sein zu wissen, dass eine Vorsorgevollmacht nicht im luftleeren Raum steht. In Deutschland ist sie im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert, vor allem in den Vorschriften zu Stellvertretung und Vollmacht (§ 164 ff. BGB) sowie in Regelungen zu Betreuung und Kontrolle (§§ 1820 ff. BGB).
Diese gesetzlichen Grundlagen beschreiben, unter welchen Bedingungen eine Vollmacht wirksam ist und welche Schutzmechanismen greifen können. Sie bilden den Rahmen dafür, dass Deine Vorsorge nicht nur ein Wunsch auf Papier bleibt, sondern rechtlich ernst genommen wird. Seit dem Erwachsenenschutzgesetz 2018 gehören Vorsorgevollmacht, erwählte Erwachsenenvertretung, gesetzliche Vertretung und gerichtliche Vertretung zu den vier Säulen der Betreuung. Deine persönliche Vollmacht ist also Teil eines größeren Schutzsystems, das darauf angelegt ist, Deinen Willen zu achten.
Auch wenn dieser rechtliche Hintergrund komplex wirkt: Du musst ihn nicht im Detail verstehen, um eine Vorsorgevollmacht sinnvoll zu formulieren. Es kann aber helfen zu wissen, dass der Gesetzgeber anerkennt, wie wichtig es ist, dass Menschen selbst bestimmen, wer sie vertreten darf – und wie.
Vertrauen als Grundlage: Wem willst Du Deine Stimme anvertrauen?
Eine Vorsorgevollmacht zu erstellen, bedeutet nicht nur, ein Formular auszufüllen. Es bedeutet vor allem, eine Person auszuwählen, der Du Deine Stimme überlässt, wenn Deine eigene vielleicht leise geworden ist. Dieses Vertrauen ist der Kern der Vollmacht – und es darf uneingeschränkt sein.
Die bevollmächtigte Person unterliegt in der Regel keiner ständigen gerichtlichen Kontrolle. Das heißt: Sie bekommt einen großen Handlungsspielraum. Genau deshalb ist es so wichtig, dass Du Dich mit Deiner Wahl wohlfühlst. Vielleicht fragst Du Dich:
- Wer kennt meine Werte, meine Haltung zu Krankheit, Pflege und Lebensende?
- Wer kann in schwierigen Situationen ruhig bleiben und Entscheidungen tragen?
- Wer ist bereit, diese Verantwortung wirklich zu übernehmen?
Manchmal ist die Antwort sofort klar. Manchmal braucht es Zeit, Gespräche, vielleicht auch Zweifel. Es ist in Ordnung, unsicher zu sein. Du darfst nachspüren, ob sich der Gedanke an eine bestimmte Person stimmig anfühlt. Und Du darfst diese Person fragen, ob sie bereit ist – ohne Druck, ohne Erwartung, nur mit ehrlicher Offenheit.
Wenn Du Deine Vorsorgevollmacht vertrauensvoll regeln möchtest, können gemeinsame Gespräche ein leiser, aber wichtiger Teil sein. Du kannst erzählen, was Dir wichtig ist: ob Du lieber zu Hause bleiben möchtest, solange es geht, wie Du zu medizinischen Maßnahmen stehst, welche Grenzen Du spürst. So wird aus der Vollmacht nicht nur ein Dokument, sondern ein gemeinsames Verständnis.
Welche Bereiche eine Vorsorgevollmacht abdecken kann
Vielleicht fragst Du Dich, wie weit eine solche Vollmacht eigentlich reicht. Es kann helfen, die einzelnen Bereiche anzuschauen – nicht als starre Liste, sondern als Einladung, über Dein Leben nachzudenken.
Vermögenssorge: Deine finanziellen Angelegenheiten in sicheren Händen
Unter Vermögenssorge fällt alles, was mit Geld, Verträgen und Eigentum zu tun hat. Die bevollmächtigte Person kann zum Beispiel:
- Rechnungen bezahlen und Daueraufträge verwalten
- Bankgeschäfte erledigen und mit Versicherungen kommunizieren
- Mietverträge, Heimverträge oder andere Verträge abschließen oder kündigen
- Dein Eigentum verwalten, etwa eine Wohnung oder ein Haus
Besonders einschneidend sind Entscheidungen rund um Grundstücke oder Immobilien. Wenn Du möchtest, dass Deine Bevollmächtigte oder Dein Bevollmächtigter hier handeln darf, muss das in der Vorsorgevollmacht ausdrücklich und schriftlich festgehalten werden. Oft ist dafür eine notarielle Beurkundung oder Beglaubigung erforderlich. Das kann sich zunächst schwer anfühlen, ist aber auch ein Schutz: für Dich, Dein Vermögen und Deine Wünsche.
Gesundheitsfürsorge: Entscheidungen rund um Krankheit und Behandlung
In Zeiten schwerer Krankheit kann es eine große Entlastung sein, wenn jemand an Deiner Seite steht, der in Deinem Sinne mit Ärztinnen und Ärzten sprechen darf. Die Gesundheitsfürsorge in der Vorsorgevollmacht umfasst zum Beispiel:
- Einwilligung in medizinische Behandlungen oder deren Ablehnung
- Entscheidungen über Operationen, Therapien oder Pflegeformen
- Absprachen mit Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Hospizen
- Einsicht in Deine Patientenakte und ärztliche Informationen
Besonders sensible Themen sind medizinische Zwangsmaßnahmen oder schwerwiegende Eingriffe. Wenn Du möchtest, dass Deine Bevollmächtigte oder Dein Bevollmächtigter hier Entscheidungen treffen darf, muss das in der Vorsorgevollmacht ausdrücklich erwähnt werden. Diese Klarheit kann helfen, dass Dein Wille auch in sehr belastenden Situationen erkennbar bleibt.
Vielleicht hast Du schon eine Patientenverfügung oder denkst darüber nach. Sie kann eine wichtige Ergänzung zur Vorsorgevollmacht sein, weil sie Deinen Willen zu bestimmten medizinischen Situationen genauer beschreibt. Zusammen können diese Dokumente ein Bild davon zeichnen, wie Du Dir Deine letzte Lebensphase wünschst – so weit das überhaupt möglich ist.
Aufenthaltsbestimmung: Wo Du leben und gepflegt werden möchtest
Manchmal geht es nicht nur um medizinische Fragen, sondern auch darum, wo Du sein möchtest. Die Aufenthaltsbestimmung in der Vorsorgevollmacht betrifft zum Beispiel:
- Die Entscheidung, ob Du zu Hause, im Pflegeheim oder an einem anderen Ort betreut wirst
- Die Zustimmung zu einem Umzug in eine Einrichtung
- Die Organisation von ambulanter Pflege oder Unterstützung im Alltag
Vielleicht ist Dir wichtig, so lange wie möglich in Deiner vertrauten Umgebung zu bleiben. Vielleicht spürst Du aber auch, dass ein Pflegeheim irgendwann eine Entlastung sein könnte – für Dich und für Deine Angehörigen. All das kannst Du mit der Person besprechen, der Du die Vollmacht anvertrauen möchtest. So kann sie später nicht nur „entscheiden“, sondern in Deinem Sinn handeln.
Vertretung gegenüber Behörden und Gerichten
Der Alltag mit Formularen, Fristen und Bescheiden kann schon in gesunden Zeiten anstrengend sein. Wenn Du nicht mehr selbst handeln kannst, ist es wertvoll, wenn jemand Dich auch hier vertreten darf. Die Vorsorgevollmacht kann beinhalten, dass Deine Bevollmächtigte oder Dein Bevollmächtigter:
- Mit Ämtern, Sozialversicherungsträgern und Krankenkassen kommuniziert
- Anträge stellt, Widersprüche einlegt oder Unterlagen einreicht
- Dich vor Gericht vertreten kann, soweit das rechtlich möglich ist
Diese formale Seite wirkt vielleicht nüchtern, aber sie kann im Ernstfall entscheidend sein, damit Leistungen weiterlaufen, Ansprüche gesichert bleiben und Deine Rechte gewahrt werden.
Wie Du eine Vorsorgevollmacht behutsam formulierst
„Wie Vorsorgevollmacht richtig verfassen?“ – diese Frage taucht oft auf, wenn man sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt. Es geht dabei nicht nur um juristisch korrekte Formulierungen, sondern auch um Sprache, die zu Dir passt. Du darfst sachlich sein, aber auch persönlich. Du darfst klar regeln, und gleichzeitig Raum für Vertrauen lassen.
Hilfreich kann es sein, in Etappen vorzugehen:
- Erst nachdenken, dann schreiben: Nimm Dir Zeit, um für Dich zu klären, was Dir besonders wichtig ist – Gesundheit, Wohnen, Finanzen, Beziehungen. Vielleicht notierst Du Dir Stichworte, bevor Du die eigentliche Vollmacht formulierst.
- Bereiche klar benennen: Wenn Du Deine Vorsorgevollmacht für Notfälle vorbereiten möchtest, kann es helfen, die einzelnen Bereiche (Vermögen, Gesundheit, Aufenthalt, Behörden) getrennt anzusprechen. So wird für andere besser erkennbar, was Du genau willst.
- Besondere Eingriffe ausdrücklich erwähnen: Grundstücksgeschäfte, der Verkauf einer Immobilie oder medizinische Zwangsmaßnahmen sollten, wenn sie überhaupt in Betracht kommen, ausdrücklich und schriftlich in der Vollmacht stehen. Das gibt Dir und der bevollmächtigten Person mehr Sicherheit.
- Eigene Worte zulassen: Neben den formalen Sätzen kannst Du auch kurze persönliche Hinweise einfügen – etwa, was Dir in einer schweren Krankheit wichtig wäre oder welche Haltung Du zu lebensverlängernden Maßnahmen hast. Das kann die Vollmacht menschlicher und verständlicher machen.
Eine sichere Vorsorgevollmacht auszufüllen bedeutet nicht, alles perfekt machen zu müssen. Es bedeutet, ehrlich zu sein mit dem, was Du möchtest und was Du nicht möchtest. Wenn Du Dich unsicher fühlst, kannst Du Dich bei Beratungsstellen, Betreuungsvereinen oder anderen neutralen Stellen informieren, ohne dass daraus gleich eine rechtliche Beratung werden muss.
Form, Beglaubigung und besondere Anforderungen
Auch wenn der Inhalt im Mittelpunkt steht, spielt die Form der Vorsorgevollmacht eine wichtige Rolle. Damit sie im Ernstfall wirklich genutzt werden kann, sollte sie klar lesbar, unterschrieben und gut auffindbar sein. Manche Bereiche erfordern zudem besondere Schritte.
Für bestimmte weitreichende Entscheidungen – etwa Grundstücksgeschäfte oder umfassende Vermögensverfügungen – kann eine notarielle Beurkundung oder Beglaubigung notwendig oder sinnvoll sein. Das gilt auch, wenn Banken oder andere Stellen auf eine besondere Form bestehen. Bei medizinischen Zwangsmaßnahmen oder anderen schwerwiegenden Eingriffen ist es wichtig, dass Deine Ermächtigung eindeutig und schriftlich festgehalten ist.
Vielleicht wirkt das zunächst abschreckend. Doch Du musst nicht alles auf einmal klären. Du kannst mit einer einfachen, schriftlichen Vorsorgevollmacht beginnen und später entscheiden, ob Du bestimmte Teile notariell absichern möchtest. Wichtig ist, dass Du weißt: Du bleibst die Person, die die Richtung vorgibt.
Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und gerichtliche Betreuung
Eine Vorsorgevollmacht dient auch dazu, eine gerichtliche Betreuung möglichst zu vermeiden. Wenn Du niemanden benennst, der Dich vertreten darf, kann das Betreuungsgericht im Ernstfall eine Betreuerin oder einen Betreuer einsetzen. Das kann eine Vertrauensperson sein, muss es aber nicht.
Mit einer Vollmacht für persönliche Vorsorge bestimmst Du selbst, wer Dich vertreten darf. Ergänzend kannst Du auch eine Betreuungsverfügung verfassen. Darin kannst Du festhalten, wen das Gericht als Betreuerin oder Betreuer einsetzen soll, falls dennoch einmal eine Betreuung notwendig wird – oder wen Du auf keinen Fall in dieser Rolle sehen möchtest.
Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht zu erstellen bedeutet, zwei Schutzschichten aufzubauen: Die Vorsorgevollmacht wirkt zuerst, sie ist Dein direktes Vertrauensdokument. Die Betreuungsverfügung greift, wenn es doch zu einer gerichtlichen Betreuung kommt. Beide zusammen können helfen, Deinen Willen sichtbar zu machen – auch in Situationen, in denen Du selbst nicht mehr sprechen kannst.
Die Freiheit, zu ändern, zu widerrufen, neu zu beginnen
Vielleicht hast Du Sorge, Dich mit einer Vorsorgevollmacht für immer festzulegen. Doch das musst Du nicht. Du kannst Deine Vollmacht jederzeit ändern, ergänzen oder widerrufen, solange Du entscheidungsfähig bist. Das Dokument ist kein endgültiger Vertrag mit der Zukunft, sondern eher ein lebendiger Text, der mit Dir wachsen darf.
Vielleicht verändert sich Deine Lebenssituation: Beziehungen wandeln sich, Menschen ziehen weg, neue Vertrauenspersonen treten in Dein Leben. Oder Deine Haltung zu medizinischen Fragen verschiebt sich mit den Jahren. All das darf sich in Deiner Vorsorgevollmacht widerspiegeln. Du kannst neue Versionen erstellen, alte vernichten, Bevollmächtigte austauschen oder Aufgaben auf mehrere Personen verteilen.
Es kann gut tun, die Vollmacht von Zeit zu Zeit in die Hand zu nehmen, sie zu lesen und zu spüren: Fühlt sich das noch richtig an? Wenn nicht, darfst Du neu formulieren. Deine Vorsorge ist kein starres Pflichtstück, sondern ein Ausdruck Deiner Selbstbestimmung.
Vorsorgevollmacht unterstützend verstehen – für Dich und andere
Eine Vorsorgevollmacht ist nicht nur für Dich eine Stütze, sondern auch für die Menschen, die Dich lieben. In schweren Stunden stehen Angehörige oft unter großem Druck: Entscheidungen müssen getroffen, Formulare unterschrieben, Gespräche geführt werden – während gleichzeitig Sorge, Trauer oder Erschöpfung im Raum stehen.
Wenn klar geregelt ist, wer wofür zuständig ist, kann das entlastend wirken. Die bevollmächtigte Person hat eine Orientierung, woran sie sich halten darf. Andere Angehörige wissen, wer Entscheidungen treffen soll. Und Du hast im Vorfeld deutlich gemacht, dass Du dieser Person vertraust.
So kann eine gut durchdachte Vorsorgevollmacht in schweren Zeiten wie ein leiser Leitfaden sein: Sie ersetzt nicht das Mitgefühl, nicht die Nähe, nicht das Ringen um den richtigen Weg – aber sie gibt Halt, wenn vieles unsicher ist. Sie kann helfen, Konflikte zu vermeiden und den Blick darauf zu lenken, worum es eigentlich geht: Deinen Willen, Deine Würde, Deine Geschichte.
Fazit
Eine Vorsorgevollmacht zu erstellen, bedeutet, sich einem Thema zu stellen, das viele lieber wegschieben würden: der eigenen Verletzlichkeit, der Möglichkeit von Krankheit und Abhängigkeit. Und doch liegt in diesem Schritt etwas sehr Würdevolles. Du nimmst Dein Leben ernst – auch in den Momenten, in denen Du es vielleicht einmal nicht mehr selbst in der Hand hast.
Indem Du festhältst, wer Dich vertreten darf, welche Entscheidungen Dir wichtig sind und wo Deine Grenzen liegen, schaffst Du eine vertrauensvolle Grundlage für schwere Stunden. Du schützt Dich vor Fremdbestimmung und gibst einem Menschen, den Du auswählst, die Erlaubnis, an Deiner Seite zu stehen – nicht nur emotional, sondern auch rechtlich.
Du musst nicht heute alles klären, nicht jedes Wort perfekt wählen. Aber vielleicht ist jetzt ein Moment, in dem Du einen ersten Schritt gehen kannst: einen Gedanken notieren, ein Gespräch suchen, ein Dokument zur Hand nehmen. Jeder kleine Schritt in Richtung persönlicher Vorsorge ist auch ein Schritt in Richtung innerer Ruhe. Und diese Ruhe darfst Du Dir zugestehen.
Häufige Fragen
Was bedeutet eine Vorsorgevollmacht für den Fall, dass ich nicht mehr selbst entscheiden kann?
Mit einer Vorsorgevollmacht für den Fall, dass Du nicht mehr selbst entscheiden kannst, bestimmst Du eine bevollmächtigte Person, die Dich rechtlich vertritt, wenn Du entscheidungs- oder einwilligungsunfähig wirst. Sie darf dann in Deinem Namen handeln – etwa bei Fragen zu Gesundheit, Pflege, Finanzen oder Deinem Aufenthaltsort.
Solange Du selbst handlungsfähig bist, triffst Du alle Entscheidungen weiterhin selbst. Die Vollmacht wirkt also wie ein Schutzschirm, der erst in schweren Lebensphasen oder bei schwerer Erkrankung aufgespannt wird.
Wie finde ich eine geeignete Vertrauensperson für Entscheidungen im Sterbeprozess?
Eine Vertrauensperson für Entscheidungen im Sterbeprozess sollte Dich gut kennen und Deine Haltung zu Krankheit, Pflege und Lebensende verstehen. Wichtig ist, dass sie auch in belastenden Situationen ruhig bleiben und Verantwortung übernehmen kann.
Hilfreich kann sein:
- offene Gespräche über Deine Wünsche in schweren Stunden, etwa zu Behandlungen oder Aufenthaltsort,
- zu klären, ob die Person bereit ist, Dich im Sterbevorgang und bei schwerer Krankheit zu vertreten,
- zu prüfen, ob sie organisatorische Aufgaben (z.B. Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten) übernehmen möchte.
So entsteht eine vertrauensvolle Vertretung bei Pflegebedürftigkeit und in der letzten Lebensphase.
Wie regelt man Entscheidungen bei schwerer Erkrankung mit einer Vorsorgevollmacht?
Wenn Du Entscheidungen bei schwerer Erkrankung regeln möchtest, kannst Du in der Vorsorgevollmacht besonders den Bereich der Gesundheitsfürsorge konkret beschreiben. Dazu gehören zum Beispiel:
- Einwilligung oder Ablehnung bestimmter Behandlungen,
- Wünsche zu Operationen, Therapien oder künstlicher Ernährung,
- Vorstellungen dazu, ob Du möglichst zu Hause, im Pflegeheim oder im Hospiz begleitet werden möchtest.
Zusätzlich kann eine Patientenverfügung hilfreich sein, um Deinen Willen bei unheilbarer Krankheit oder im Sterbevorgang genauer zu beschreiben. Zusammen mit der Vorsorgevollmacht für schwere Lebensphasen entsteht so ein klares Bild Deiner Wünsche.
Was umfasst eine Vorsorgevollmacht für den Fall, dass ich nicht mehr ansprechbar bin?
Eine Vorsorgevollmacht für den Fall, dass Du nicht mehr ansprechbar bist, kann mehrere Lebensbereiche abdecken:
- Gesundheitsfürsorge: Entscheidungen über Behandlungen, Pflegeformen und Gespräche mit dem Behandlungsteam.
- Aufenthaltsbestimmung: Fragen dazu, ob Du zu Hause, im Pflegeheim oder an einem anderen Ort betreut wirst.
- Vermögenssorge: Verwaltung von Konten, Verträgen und laufenden Zahlungen.
- Vertretung gegenüber Behörden: Umgang mit Anträgen, Bescheiden und Fristen.
So kann Deine bevollmächtigte Person für schwierige Lebenssituationen in Deinem Sinne handeln, wenn Du selbst nicht mehr sprechen oder entscheiden kannst.
Wie kann eine Vorsorgevollmacht Angehörige im Trauerfall entlasten?
Eine Vorsorgevollmacht für Angehörige im Trauerfall schafft Klarheit, wer in schweren Stunden Entscheidungen treffen darf. Das kann Spannungen in der Familie verringern, weil von Dir festgelegt ist, welche Person Dich vertritt.
Unterstützung durch eine Bevollmächtigte oder einen Bevollmächtigten im Sterbevorgang bedeutet zum Beispiel:
- klare Zuständigkeit bei Gesprächen mit Ärztinnen, Pflegekräften und Einrichtungen,
- geregelte finanzielle und organisatorische Fragen,
- Entlastung anderer Angehöriger, die sich stärker auf Abschied und Trauer einlassen können.
So wird die Vorsorgevollmacht für den Abschied und den Trauerfall zu einer Form der Fürsorge für Dich und Deine Nächsten.
Ist eine Vorsorgevollmacht auch für den Tod hinaus sinnvoll?
Eine Vorsorgevollmacht wirkt in erster Linie, solange Du lebst und nicht mehr selbst entscheiden kannst – etwa bei unheilbarer Krankheit oder in der letzten Lebensphase. Indirekt wirkt sie aber auch für den Tod hinaus, weil viele Entscheidungen im Sterbeprozess und kurz davor bereits geregelt sind.
Vertrauensvolle Entscheidungen für den Tod können zum Beispiel beinhalten:
- wer Dich im Sterbevorgang begleitet und vertreten darf,
- welche medizinischen Maßnahmen Du Dir am Lebensende wünschst oder ablehnst,
- wie mit Pflege, Aufenthaltsort und organisatorischen Fragen umgegangen werden soll.
So entsteht eine vertrauensvolle Regelung für den Tod und die schweren Stunden davor, die Deinen Willen respektiert und Deinen Angehörigen Orientierung gibt.
Brauchst du gerade Unterstützung?
Wenn du über Suizid nachdenkst oder dich in einer akuten Krise befindest, kannst du dich anonym und kostenlos an die TelefonSeelsorge wenden. Du erreichst sie rund um die Uhr unter der Nummer 0800 – 111 0 111 oder online unter www.telefonseelsorge.de. Zögere nicht, dir Hilfe zu holen – du bist nicht allein.
