Therapeutische Hilfe bei Trauerfall: Wann Unterstützung nötig ist
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, gerät vieles aus den Fugen. Manches, was vorher selbstverständlich war, fühlt sich plötzlich fremd an. Vielleicht erlebst du Tage, an denen du funktionierst, und andere, an denen schon das Aufstehen schwerfällt. Trauer kann still sein oder laut, wütend oder betäubt. Sie hat keine feste Form und keinen festen Zeitplan. Und doch gibt es Situationen, in denen Trauer so schwer und anhaltend wird, dass sie dich fast vollständig aus deinem Leben herausdrängt.
In diesem Text geht es um genau diese Momente: um die Frage, wann therapeutische Hilfe bei Trauer sinnvoll und manchmal sogar notwendig ist. Nicht, weil deine Trauer „falsch“ wäre, sondern weil sie dich vielleicht so sehr belastet, dass du allein keinen Weg mehr findest. Du findest hier keine schnellen Lösungen, aber Gedanken, die dir helfen können, deine eigene Situation einzuordnen: Wo endet der „normale“ Trauerprozess – und wo beginnt eine Form von Trauer, bei der professionelle Unterstützung dir Entlastung schenken kann?
Vielleicht spürst du schon länger, dass etwas „nicht mehr weitergeht“. Vielleicht fragst du dich, ob das noch Trauer ist oder schon etwas anderes – eine Depression, eine Angst, eine tiefe Erschöpfung. Du musst diese Fragen nicht allein beantworten. Es ist erlaubt, dir Hilfe zu holen, wenn du merkst, dass deine Kraft nicht mehr reicht. Und es ist ein Zeichen von Achtung vor dir selbst, wenn du diesen Schritt in Betracht ziehst.
Kurzer Exkurs
In vielen Themen rund um Abschied, Erinnerung und Verbundenheit taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Wie kann man jemanden sichtbar im eigenen Alltag behalten, wenn er nicht mehr da ist?
Trauerbegleiter sprechen hier oft von einem „äußeren Anker“ – einem konkreten Ort oder Gegenstand, der Erinnerung greifbar macht. Das kann ein Foto sein, ein bestimmter Platz oder auch eine individuell gestaltete Gedenktafel, die Name, Datum und Bild verbindet.
Solche Anker ersetzen nichts. Aber sie geben dem, was war, einen ruhigen Platz – und vielen Menschen genau dadurch Halt.
Normale Trauer – und wann sie aus dem Gleichgewicht gerät
Trauer ist zunächst eine gesunde Reaktion auf einen Verlust. Sie zeigt, dass da eine Verbindung war, die wichtig war und vielleicht immer noch wichtig ist. Viele Menschen erleben in den ersten Wochen und Monaten nach einem Todesfall eine Art Wellenbewegung: Momente intensiven Schmerzes wechseln sich ab mit Phasen, in denen der Alltag wieder etwas Raum bekommt. Es gibt Tränen, aber auch Lachen. Erinnerungen tun weh – und gleichzeitig sind sie wertvoll.
Diese Form der Trauerbewältigung kann durch Familie, Freundeskreis, Rituale, vielleicht auch durch Trauergruppen oder Trauercafés gestützt werden. Manchmal reicht diese Art von Unterstützung, um Schritt für Schritt wieder Boden unter den Füßen zu spüren, auch wenn der Verlust bleibt.
Manchmal aber gerät dieser Prozess aus dem Gleichgewicht. Dann bleiben die Wellen der Trauer nicht nur stark, sondern sie scheinen gar nicht mehr abzuflauen. Der Schmerz wird nicht leiser, sondern eher lauter. Statt sich langsam zu wandeln, fühlt er sich an, als wäre der Verlust erst gestern geschehen – selbst wenn bereits viele Monate vergangen sind. In solchen Situationen kann es wichtig sein, genauer hinzuschauen.
Anzeichen dafür, dass Trauertherapie sinnvoll sein kann
Es gibt keine starre Grenze, ab wann du „zu viel“ trauerst. Und doch gibt es Anzeichen für Trauertherapie, die darauf hindeuten können, dass eine psychologische Unterstützung bei Trauer hilfreich wäre. Es geht dabei nicht um Schuld oder Versagen, sondern um Fürsorge für dich selbst.
Wenn Trauer den Alltag dauerhaft blockiert
Ein wichtiges Warnsignal ist, wenn du über einen ungewöhnlich langen Zeitraum kaum noch am Leben teilnehmen kannst. Zum Beispiel, wenn du:
- über Monate hinweg kaum in der Lage bist, zu arbeiten, dich zu konzentrieren oder Alltagsaufgaben zu bewältigen,
- deine Wohnung nur noch selten verlässt und Kontakte meidest,
- dich innerlich wie „eingefroren“ fühlst und nichts mehr richtig an dich heranlässt,
- das Gefühl hast, dass dein Leben ohne den verstorbenen Menschen völlig sinnlos ist.
Trauer darf dich eine Zeit lang aus der Bahn werfen. Wenn sie dich jedoch dauerhaft daran hindert, grundlegende Dinge zu tun, kann professionelle Hilfe bei Trauer und Verlustgefühl ein wichtiger Schritt sein.
Anhaltende Trauerstörung: Wenn Trauer nicht mehr weiterfließt
Fachleute sprechen in schweren Fällen von einer anhaltenden Trauerstörung oder auch von komplizierter Trauer. Damit ist eine Form von Trauer gemeint, bei der der Schmerz so intensiv und dauerhaft ist, dass er die natürliche Verarbeitung blockiert. Typische Merkmale können sein:
- sehr starke, nicht nachlassende Sehnsucht nach der verstorbenen Person,
- das Gefühl, innerlich mit dem Verstorbenen „mitgestorben“ zu sein,
- ständige, quälende Grübeleien über den Tod, die Umstände oder vermeintige „Fehler“,
- Vermeidung alles dessen, was an den Verlust erinnert – oder umgekehrt ein Festhalten an Orten, Gegenständen und Situationen, das kein anderes Leben mehr zulässt,
- anhaltende Schuldgefühle, Selbstvorwürfe oder das Gefühl, kein Recht mehr auf Freude zu haben,
- starke Schlafstörungen, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit oder ausgeprägte Angstzustände.
Solche Verläufe können in Depressionen oder Angststörungen übergehen oder mit ihnen einhergehen. Dann geht es nicht mehr nur um Trauer, sondern um eine seelische Krise, die dich in deiner Existenz bedrohen kann. In diesen Situationen ist therapeutische Hilfe bei Trauer nicht nur sinnvoll, sondern oft dringend notwendig.
Wenn der soziale Halt wegbricht
Trauer wird schwerer, wenn du sie allein tragen musst. Vielleicht hast du niemanden, mit dem du offen über deinen Verlust sprechen kannst. Vielleicht merkst du, dass dein Umfeld ungeduldig wird oder Sätze sagt wie „Du musst jetzt nach vorne schauen“. Manchmal ziehen sich auch Freunde zurück, weil sie mit der Situation überfordert sind.
Wenn du kaum noch soziale Unterstützung erlebst, kann eine Trauerbegleitung durch Experten ein wichtiger Anker sein. Ein geschützter Raum, in dem deine Trauer sein darf, ohne bewertet zu werden, kann entlasten und neue Kraft schenken.
Traumatische Umstände und multiple Verluste
Besonders belastend sind Verluste, die plötzlich, gewaltsam oder stigmatisierend sind – etwa durch Unfall, Suizid, Gewaltverbrechen oder Katastrophen. Auch mehrere Verluste in kurzer Zeit können die Seele überfordern. In solchen Fällen ist das Risiko erhöht, dass sich eine komplizierte Trauer entwickelt.
Wenn du immer wieder Bilder des Todes vor Augen hast, starke Schuldgefühle trägst oder dich von der Welt abgeschnitten fühlst, kann psychologische Unterstützung bei Trauer helfen, das Erlebte behutsam zu verarbeiten. Du musst diese Last nicht allein tragen.
Was in einer professionellen Trauertherapie geschieht
Vielleicht fragst du dich, was dich erwartet, wenn du dir therapeutische Hilfe bei einem Trauerfall suchst. Der Gedanke an Therapie kann verunsichern, besonders wenn du ohnehin schon erschöpft bist. Es kann helfen zu wissen, dass es in der Regel Schritt für Schritt vorangeht – in deinem Tempo.
Die Anamnese: Deine Geschichte hat Raum
Am Anfang steht meist ein ausführliches Gespräch, die sogenannte Anamnese. Dabei geht es um dich, um dein Leben und um die Beziehung zu dem Menschen, den du verloren hast. Typische Themen können sein:
- die Umstände des Todes: plötzlich, erwartet, begleitet, traumatisch,
- die Art der Beziehung: Nähe, Konflikte, Abhängigkeiten, unausgesprochene Themen,
- deine bisherigen Trauerreaktionen: Gefühle, Gedanken, körperliche Beschwerden,
- dein soziales Netz: Familie, Freunde, Kolleginnen und Kollegen,
- frühere Verluste oder Krisen, die dich bis heute prägen.
Dieses gemeinsame Verstehen ist keine Prüfung, sondern ein behutsames Sammeln von Puzzleteilen. Es hilft der Therapeutin oder dem Therapeuten, einzuschätzen, welche Form der Trauerphasen-Beratung und Therapie zu dir passen könnte – und es hilft dir, deine eigene Geschichte klarer zu sehen.
Therapeutische Verfahren bei komplizierter Trauer
Verschiedene psychotherapeutische Ansätze haben sich bei komplexen Trauerverläufen bewährt. Sie unterscheiden sich in ihrer Arbeitsweise, verfolgen aber ähnliche Ziele: hinderliche Muster zu lösen, den Verlust zu integrieren und dich wieder an das Leben heranzuführen.
Kognitive Verhaltenstherapie
In der kognitiven Verhaltenstherapie geht es viel um Gedanken, Bewertungen und Verhaltensweisen, die deine Trauer verstärken oder festhalten können. Beispiele sind:
- „Ich hätte den Tod verhindern müssen.“
- „Ohne sie/ihn darf ich nicht mehr glücklich sein.“
- „Wenn ich loslasse, verrate ich den Menschen, den ich verloren habe.“
Solche Überzeugungen können den Trauerprozess blockieren. In der Therapie werden sie behutsam hinterfragt und durch realistischere, freundlichere Sichtweisen ergänzt. Gleichzeitig können konkrete Schritte im Alltag geübt werden: wieder unter Menschen gehen, kleine Routinen aufbauen, Situationen bewältigen, die du bisher gemieden hast. So kann Trauerbewältigung mit professioneller Hilfe ganz praktisch erfahrbar werden.
Psychoanalyse und tiefenpsychologische Verfahren
Psychoanalytische oder tiefenpsychologische Therapien richten den Blick stärker auf unbewusste Prozesse und frühere Erfahrungen. Manchmal berührt ein aktueller Verlust alte Wunden: frühere Trennungen, Verluste, ungelöste Konflikte. Die Trauer um einen Menschen kann dann mit vielen anderen, älteren Gefühlen verknüpft sein.
In diesen Verfahren geht es darum, diese inneren Zusammenhänge zu verstehen und nach und nach zu entwirren. Das kann helfen, nicht nur den aktuellen Verlust, sondern auch alte, mitgetragene Schmerzen zu verarbeiten. Die Bindung zur verstorbenen Person wird dabei nicht „abgeschnitten“, sondern in eine neue, innere Form gebracht, die weniger quälend und zugleich liebevoll sein darf.
Psychodrama und erlebnisorientierte Ansätze
Im Psychodrama und anderen erlebnisorientierten Verfahren wird mit Rollen, Szenen und Symbolen gearbeitet. Du kannst Situationen nachstellen, die offen geblieben sind, unausgesprochene Worte in einem geschützten Rahmen aussprechen oder neue Perspektiven einnehmen. Das kann besonders dann hilfreich sein, wenn du das Gefühl hast, dass beim Abschied etwas „unvollständig“ geblieben ist.
Solche Methoden können helfen, innere Bilder zu verändern, Schuldgefühle zu entlasten und einen anderen Zugang zu deinen Gefühlen zu finden. Sie sind kein Theater, sondern eine Form, inneres Erleben nach außen zu holen und damit bearbeitbar zu machen.
Ziele der Therapie: Verbindung bewahren, Leben zurückgewinnen
Ein wichtiges Ziel vieler therapeutischer Ansätze ist es, die emotionale Bindung zum verstorbenen Menschen in einer neuen, tragenden Weise zu gestalten. Es geht nicht darum, zu vergessen oder „abzuschließen“, sondern darum, dass deine Liebe und deine Erinnerungen dich nicht mehr lähmen, sondern begleiten dürfen.
Schritt für Schritt kann sich der Blick wieder öffnen: auf das, was noch da ist, auf Menschen, Aufgaben, vielleicht auch auf neue Wünsche. Unterstützung bei Verlust und Trauer bedeutet in diesem Sinn, dich wieder in die Lebensbewältigung zurückzuführen – ohne deinen Verlust kleinzureden.
Trauerbegleitung, Therapie und Gruppen: Was was ist
Rund um das Thema Trauer gibt es viele Angebote, die sich in Tiefe, Ziel und Finanzierung unterscheiden. Es kann verwirrend sein, herauszufinden, was du gerade brauchst. Ein paar Unterscheidungen können helfen, deine eigene Orientierung zu finden.
Therapeutische Trauerbegleitung durch Fachleute
Trauerbegleitung durch Experten wird von qualifizierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder speziell ausgebildeten Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleitern angeboten. Dabei kann es sich um Einzelgespräche, Paargespräche oder Gruppenangebote handeln.
Psychotherapeutische Angebote zielen darauf ab, seelische Störungen zu behandeln, etwa eine anhaltende Trauerstörung, Depressionen oder Angststörungen im Zusammenhang mit dem Verlust. Trauerbegleitung im engeren Sinn kann eher unterstützend und begleitend sein, ohne dass eine psychische Erkrankung im Vordergrund steht. Beide Formen können sich ergänzen.
Trauercafés und Selbsthilfegruppen
Trauercafés, offene Gruppen oder Selbsthilfeangebote sind wertvolle Orte, um andere Menschen zu treffen, die ebenfalls einen Verlust erlebt haben. Hier geht es vor allem um Austausch, Zuhören, gegenseitiges Verständnis. Für viele ist das ein wichtiger Halt, besonders in den ersten Monaten.
Diese Angebote können bei leichteren Belastungen sehr hilfreich sein. Sie ersetzen jedoch keine Psychotherapie, wenn du stark oder anhaltend in deiner Alltagsbewältigung eingeschränkt bist, unter schweren Symptomen leidest oder traumatische Erfahrungen mit dem Verlust verbunden sind. Dann kann es sinnvoll sein, zusätzlich eine professionelle Trauerberatung oder Therapie in Anspruch zu nehmen.
Finanzierung und Rahmenbedingungen
Psychotherapeutische Leistungen – also Behandlungen bei zugelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten – können bei entsprechender Diagnose in vielen Fällen von Krankenkassen übernommen werden. Das gilt auch dann, wenn die seelische Belastung im Zusammenhang mit einem Verlust steht, etwa bei einer Depression oder einer anhaltenden Trauerstörung.
Angebote der Trauerbegleitung, zum Beispiel durch Hospizdienste, Vereine oder freie Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter, werden häufig über Spenden, Projektmittel oder privat finanzierte Honorare getragen. Gesetzliche Regelungen im Bereich Hospiz- und Palliativversorgung fördern Familienbegleitung und Beratung, aber eine einheitliche, gezielte Finanzierung von Trauerbegleitung außerhalb dieser Strukturen ist nicht überall gegeben.
Wenn du unsicher bist, was in deinem Fall möglich ist, kann ein erstes Orientierungsgespräch bei einer Beratungsstelle, einem Hospizdienst oder einer psychotherapeutischen Praxis helfen. Dort kannst du nachfragen, welche Unterstützung es gibt und welche Kosten eventuell übernommen werden können.
Wie du professionelle Trauerberatung finden kannst
Den Schritt zu gehen und dir professionelle Trauerberatung zu suchen, braucht Mut. Vielleicht fühlst du dich schwach – und gerade deshalb ist es ein stiller Akt von Stärke, nicht alles allein tragen zu wollen. Es gibt verschiedene Wege, Unterstützung zu finden.
Erste Anlaufstellen
- Hausärztin oder Hausarzt: Sie kennen oft psychotherapeutische Praxen und Beratungsstellen in deiner Nähe und können dir Adressen nennen oder Überweisungen ausstellen.
- Psychotherapeutische Praxen: Viele Praxen bieten ein Erstgespräch an, in dem du deine Situation schildern und gemeinsam schauen kannst, ob eine Therapie passend ist.
- Hospizdienste und Palliativdienste: Viele bieten Trauergruppen, Einzelbegleitung oder vermitteln an spezialisierte Fachleute.
- Beratungsstellen und kirchliche Einrichtungen: Unabhängig von deiner eigenen religiösen Haltung können hier Angebote zur Unterstützung bei Verlust und Trauer zu finden sein.
Worauf du bei der Auswahl achten kannst
Wichtig ist, dass du dich mit der Person, die dich begleitet, sicher genug fühlst, um dich zu öffnen. Du darfst Fragen stellen, zum Beispiel:
- Welche Erfahrung haben Sie mit Trauer und Verlustthemen?
- Mit welchem therapeutischen Ansatz arbeiten Sie?
- Wie könnte eine gemeinsame Arbeit konkret aussehen?
Du musst nicht gleich beim ersten Kontakt wissen, ob es passt. Manchmal braucht es ein oder zwei Gespräche, um zu spüren, ob du dich gesehen und verstanden fühlst. Es ist in Ordnung, weiterzusuchen, wenn du merkst, dass die Chemie nicht stimmt.
Wann Trauerberatung sinnvoll ist – und was sie dir schenken kann
Wann Trauerberatung sinnvoll ist, lässt sich nicht in eine einfache Formel fassen. Aber vielleicht erkennst du dich in einigen dieser Situationen wieder:
- Deine Trauer ist seit langer Zeit so intensiv, dass du kaum noch am Alltag teilnehmen kannst.
- Du fühlst dich innerlich leer, hoffnungslos oder dauerhaft wie betäubt.
- Du leidest unter starken Schuldgefühlen, Grübeleien oder Angstzuständen.
- Du hast das Gefühl, dass du ohne den verstorbenen Menschen nicht weiterleben kannst oder willst.
- Du bist mit einem plötzlichen, gewaltsamen oder stigmatisierenden Tod konfrontiert.
- Du bist weitgehend ohne sozialen Halt und fühlst dich mit deiner Trauer isoliert.
In solchen Momenten kann Hilfe bei Trauer und Verlustgefühl mehr sein als nur ein Gespräch: Sie kann ein sicherer Ort sein, an dem du nicht funktionieren musst. Ein Raum, in dem du deine Geschichte erzählen darfst, mit all ihren Brüchen und Widersprüchen. Und ein Weg, auf dem du lernen kannst, mit deiner Trauer zu leben, ohne von ihr verschlungen zu werden.
Fazit
Trauer gehört zum Leben. Sie ist Ausdruck von Liebe, von Verbundenheit und von dem, was dir wichtig war und ist. Doch manchmal wird Trauer so schwer, dass sie dich über lange Zeit in die Knie zwingt. Wenn du merkst, dass dein Alltag kaum noch möglich ist, dass du dich in Schuld, Angst oder Hoffnungslosigkeit verstrickst oder dass traumatische Erinnerungen dich nicht loslassen, dann darfst du dir therapeutische Hilfe bei Trauer erlauben.
Du musst nicht warten, bis „es gar nicht mehr geht“. Psychologische Unterstützung bei Trauer ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Form von Selbstschutz – und von Respekt dir selbst gegenüber. Ob in einer psychotherapeutischen Praxis, in einer spezialisierten Trauerberatung oder im Rahmen von Hospiz- und Beratungsangeboten: Es gibt Menschen, die sich mit diesen Wegen auskennen und dich ein Stück begleiten können.
Du trägst deine Trauer auf deine eigene Weise. Und doch musst du sie nicht allein tragen. Manchmal beginnt ein neuer, leiser Schritt ins Leben damit, dass du jemandem sagst: „Ich brauche Hilfe.“ Dieser Satz kann der Anfang von etwas sein, das dir wieder ein wenig Boden unter den Füßen schenkt – bei aller Liebe, die bleibt.
Häufige Fragen
Wann sollte ich professionelle Hilfe bei Trauer suchen?
Professionelle Unterstützung bei Trauer kann sinnvoll sein, wenn du über längere Zeit kaum noch am Alltag teilnehmen kannst, dich dauerhaft leer, hoffnungslos oder wie betäubt fühlst oder wenn Arbeit, Haushalt und soziale Kontakte fast vollständig zum Erliegen kommen. Auch wenn du merkst, dass du dich stark zurückziehst, deine Wohnung kaum verlässt oder das Gefühl hast, dein Leben sei ohne den verstorbenen Menschen sinnlos, kann es hilfreich sein, Trauerbegleitung oder Therapie in Anspruch zu nehmen.
Wie erkenne ich eine komplizierte oder anhaltende Trauer?
Von einer komplizierten oder anhaltenden Trauer wird gesprochen, wenn der Schmerz über viele Monate hinweg kaum nachlässt und sich anfühlt, als wäre der Verlust erst gestern passiert. Typische Anzeichen können sein:
- sehr starke, dauerhafte Sehnsucht nach der verstorbenen Person,
- das Gefühl, innerlich „mitgestorben“ zu sein,
- quälende Grübeleien über den Todesfall und vermeintige Fehler,
- starke Vermeidung von allem, was erinnert – oder ein extremes Festhalten, das kein anderes Leben mehr zulässt,
- anhaltende Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit oder ausgeprägte Angstzustände.
Wenn du dich darin wiedererkennst, kann es entlastend sein, gezielt nach professioneller Trauerberatung oder Therapie zu suchen.
Wann ist Trauerberatung nach einem plötzlichen Todesfall oder Suizid sinnvoll?
Nach einem plötzlichen Todesfall, einem Unfall oder Suizid ist die seelische Belastung oft besonders hoch. Wenn du immer wieder belastende Bilder vor Augen hast, dich von der Welt abgeschnitten fühlst oder starke Schuldgefühle und Selbstvorwürfe erlebst, kann frühzeitige professionelle Trauerbegleitung hilfreich sein. Spezialisierte Angebote – etwa über Hospizdienste, Beratungsstellen oder psychotherapeutische Praxen – können dir einen geschützten Rahmen bieten, um das Erlebte Schritt für Schritt zu verarbeiten.
Trauer und soziale Isolation: Wann ist professionelle Hilfe ratsam?
Wenn du dich mit deiner Trauer zunehmend isoliert fühlst, Kontakte meidest oder erlebst, dass dein Umfeld ungeduldig reagiert („Du musst nach vorne schauen“), kann professionelle Unterstützung ein wichtiger Halt sein. Eine Trauerbegleitung durch Experten, Trauergruppen oder eine psychotherapeutische Behandlung kann dir einen Raum eröffnen, in dem deine Gefühle ernst genommen werden und du dich nicht erklären oder rechtfertigen musst.
Trauerprozess alleine bewältigen oder mit Profi begleiten lassen?
Viele Menschen finden mit Unterstützung durch Familie, Freunde, Rituale oder Selbsthilfegruppen ihren Weg durch die Trauer. Wenn du aber merkst, dass diese Ressourcen nicht ausreichen, du dich emotional überfordert fühlst oder seit langer Zeit „feststeckst“, kann es sinnvoll sein, den Trauerprozess von einer Fachperson begleiten zu lassen. Trauercoaching, Trauerberatung oder Psychotherapie ersetzen deine eigene Stärke nicht, sondern unterstützen dich dabei, wieder mehr Boden unter den Füßen zu spüren.
Wie finde ich passende Trauerbegleitung oder therapeutische Hilfe?
Erste Anlaufstellen können deine Hausärztin oder dein Hausarzt, psychotherapeutische Praxen, Hospizdienste, Palliativdienste oder Beratungsstellen (auch kirchliche) sein. Dort kannst du nach Angeboten für Trauerhilfe, Trauergruppen oder Trauertherapie fragen. Achte bei der Auswahl darauf, ob du dich mit der Person sicher genug fühlst, um dich zu öffnen, und frage ruhig nach Erfahrung mit Trauer, dem therapeutischen Ansatz und der möglichen Vorgehensweise. Es ist in Ordnung, mehrere Gespräche zu nutzen, um herauszufinden, was für dich stimmig ist.
Brauchst du gerade Unterstützung?
Wenn du über Suizid nachdenkst oder dich in einer akuten Krise befindest, kannst du dich anonym und kostenlos an die TelefonSeelsorge wenden. Du erreichst sie rund um die Uhr unter der Nummer 0800 – 111 0 111 oder online unter www.telefonseelsorge.de. Zögere nicht, dir Hilfe zu holen – du bist nicht allein.
